Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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der Antichrist sein, noch sollte ein solcher Antichrist genannt werden; denn Antichrist bedeutet Christus entgegengesetzt oder ein entgegengesetzter Christus."28 Dieser Satz stellt eine Hauptthese in Matthias' Konzeption dar. Matthias hat zwar seinen Gedanken aus französischen Traktaten übernommen , aber erst bei ihm gelangt er zu voller Wirksamkeit .29 Dieser das ganze damalige Weltbild umwälzende Gedanke bedingt eine grundsätzlich andere Haltung gegenüber den Juden als sie die mittelalterliche Kirche vertritt. Das eigentlich Schlechte, das die ganze Welt und besonders jeder religiös erregbare Mensch fürchtet, die Ankunft des Antichrist, wird nicht mehr als Ankunft eines fremden, feindlichen und vor allem jüdischen Fürsten gedacht. Das Böse sitzt innen, im Schoß der Kirche, im Herzen und im Tun der Christen. Damit vollzieht Matthias von Janow die entscheidende Wendung in der mittelalterlichen Judenauffassung. Wer seine Anschauung vom Antichrist teilt, kann sich nicht mehr der Auffassung anschließen, nach der die Juden eine bedeutsame Rolle im Heer des Antichrist spielen werden, und der Antichrist selbst aus jüdischem Stamm hervorgehen wird. Die Indentifikation zwischen dem Bösen schlechthin und den Juden ist damit aufgehoben. Infolgedessen muß sich der Haß, der früher den Juden gegolten hat, jetzt in erster Linie gegen die falschen Christen richten, die man für die Glieder am Leibe des Antichrist hält. Nach den Regeln der scholastischen Methode untersucht Matthias seine These, er beleuchtet sie von allen Seiten. Matthias' Antichristauffassung wird von allen hussitischen Richtungen übernommen, und bedeutende Vertreter des Hussitentums schreiben Matthias' Thesen und ihre Begründung wörtlich ab, ohne auch nur einen einzigen Gedanken hinzufügen zu können. Wegen dieser starken Wirkung ist es notwendig, auch Matthias'Begründung seiner Anschauung darzustellen: Es hat schon sehr große Tyrannen gegeben, wie z. B. die römischen Kaiser, und doch sind sie nicht für eigentliche Antichristen gehalten worden, sondern eben für gottlose Tyrannen und für Verfolger der Kirche der Heiligen; denn jene hatten noch nicht den höchsten Grad der Gottlosigkeit und Falschheit, da ihre Tyrannei und Grausamkeit noch schlimmer gewesen wäre, wenn sie Päpste oder christliche Kaiser gewesen wären. Wenn er (der Antichrist, der kein Christ wäre) nicht zu derselben Religion gehören würde, wäre er infolgedessen nicht der kontradiktorische Gegensatz zu Christus, weil nach den Gesetzen der Logik die kontradiktorischen Gegensätze derselben Gattung angehören müssen. Daher, wenn der Antichrist ein Jude oder ein Heide oder irgendein Ungläubiger sein würde, wäre er nicht in der vollständigen und äußersten Möglichkeit der Schlechtigkeit zu jeder Art von Täuschung der Heiligen befähigt, und dann wäre seine 8 8