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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1936-01-01 · 8 (1936) · page 9

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
8 (1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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IRI
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über gewisse — nach Wiclifs Meinung aus der wörtlichen Auslegung des Alten Testaments entspringende — jüdische Gepflogenheiten, wie die Pflege des „Körpers und Bauches am Feiertag" macht er sich lustig.19 Am klarsten sehen wir die Einstellung zum Judenproblem wieder daran, wie sich die Juden nach Wiclifs Ansicht in der Endzeit verhalten werden. Wiclif gehört zu der dritten in der Einleitung besprochenen Richtung. Er scheidet die Juden in zwei Gruppen: „Die Einen werden von Gott die Kraft haben, Wunder zu tun, und sie werden sagen, daß sie diese Wunder im Namen Jesu vollbracht haben. Aber in Wirklichkeit werden sie dem Antichrist folgen."20 Die Anderen werden sich beim jüngsten Gericht bekehren. Auch für Wiclif liegt das nicht mehr fern. Darum muß man die Juden schon jetzt, da man ja nicht weiß, wer zu der einen und wer zu der anderen Gruppe gehört, durch Güte und Geduld zu bekehren suchen. Mit Härte erreicht man gerade das Gegenteil.21 Da Wiclif ernstlich an die Endzeit und damit an die Bekehrung der „auserwählten Juden", denkt, will er den Juden ebensowenig wie den Christen den Wucher erlauben. Hiermit berührt Wiclif die soziale Seite der Judenfrage. Wiclif nimmt an, daß eine Gruppe von Juden dem Antichrist eine wirksame Stütze sein werden. Er wendet sich aber ausdrücklich gegen alle gewaltsamen Bekehrungsversuche — einmal mit der Begründung, daß die Juden auch zum Menschengeschlecht gehören. Wiclifs Verhältnis zu den Juden stellt demnach eine Zwischenstufe zwischen der Auffassung der Velislavbibel und der der Hussiten dar. Damit ist schon angedeutet, daß die hussitische Bewegung in ihrer Stellung zu den Juden nicht von Wiclif beeinflußt war. Der Initiator der hussitischen Ideologie in Böhmen, Matthias von Janow, hat auch zum Judenproblem das entscheidende Wort gesprochen. Vor dem Auftreten von Matthias herrscht in Bezug auf die Judenfrage im wesentlichen noch die mittelalterliche Auffassung, trotzdem schon Matthias' Lehrer Konrad von Waldhauser und Milic von Kremsier seit Palacky mit Recht als „Vorläufer" des Hussitentums bezeichnet werden. Ihre Anschauungen sind charakteristisch für den beginnenden Umschwung der Weltbetrachtung in Böhmen: Das Ende der Zeiten, die Ankunft des Antichrist, liegt nicht mehr in einer — wenn auch nahen — Zukunft. Das Ende der Zeiten, der Antichrist ist gekommen! Konrad, ein Bußprediger, den Karl IV. aus Österreich hatte kommen lassen, hatte einen ungeheuren Zulauf bei seinen Predigten. Sogar Juden kamen, um ihm zuzuhören. Als dies Konrad vorgeworfen wurde, antwortete er: In der Endzeit bekehren sich die Juden.22 Konrad war also fest davon überzeugt, daß die Endzeit angebrochen sei, und er nahm die Juden, die seiner Predigt lauschten, als gewichtiges Argument für diese Ansicht. 6 6

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