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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1935-01-01 · 7 (1935) · page 443

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
7 (1935)
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 443)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644313--3331-2647678
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stand. Der eigentliche Vorstand „die Rosche hakahal" bestand aus fünf Mitgliedern,12 in denen wir wohl die „Ältesten" des Amtsstiles sehen dürfen; dazu kommen noch die „Tube hakahal" wohl nach alter talmudischer Sitte sieben an Zahl, wahrscheinlich die „Gemeindeältesten" der behördlichen Erlässe. An der Leitung der Gemeinde waren auch die Ikare hakahal oder Ikure kahal beteiligt, am besten wohl als Ausschußmitglieder zu bezeichnen18 und die Bale Teba,14 die man gemeiniglich als Kassiere also wohl die Kontrolleure des Kassawesens bezeichnete. Eine wichtige Rolle im Gemeindeleben spielen die Gabaim dematha „die Vorsteher der Stadt" oder wie sie im alten Sprachgebrauch hießen, die „Stodtgaboim", die das ganze Wohltätigkeitswesen ,Spital, Asyl, Durchwandererfürsorge u. dgl. unter sich hatten. Im Außendienst der Gemeinde standen die „Memunim"14* die „Vorgesetzten", von denen es in Prag zwei Kategorien gab, die Memunim birechob, die Vorgesetzten für die Gasse — Rechob, Gasse bedeutet die ganze Judenstadt — und Memunim baschuk, die Vorgesetzten für den Markt —d. h. den Tandelmarkt,15 wo sich das Geschäftsleben der Juden zum größten Teile abspielte, die ersteren wurden Gasseninspektoren, die Letzteren Marktinspektoren genannt. Eine besondere Rolle spielte der Stadlan, wie ihn jede größere jüdische Gemeinde, jede Judenschaft einer Provinz oder eines Landes hatte. Prag hatte deren mehrere ,16 Was war nun ein Stadlan ein Fürsprech? Ich möchte Auerbachs Erklärung geben.17 „Unter Stadlan versteht man einen Syndikus, der im Besitze der erforderlichen zeitgenössischen Bildung war, insbesondere Rednertalent, diplomatische Kenntnis und ganz vorzüglich den erforderlichen Mut und Eifer besaß, um die Interessen der Juden bei Behörden, Fürsten und Königen zu wahren. Diese Eigenschaften allein sicherten zuweilen den Erfolg des Auftretens eines solchen Stadlan. Mancher imponierte so sehr durch Kenntnisse und Gewandtheit, daß er große Erfolge errang, während Anderen ihr Talent nichts half, dann mußten sie zu den bekannten Rettungs- oder Verstärkungsmitteln ihre Zuflucht nehmen, zu dem gespickten Geldbeutel, zu Geschenken verschiedener Art, die entweder dem höchsten Machthaber des Landes oder den nächsten Ratgebern desselben auf kluge, anständige Weise übermittelt wurden. Ein Stadlan, der mit seiner Zunge und seinem Geldbeutel günstige Saiten aufzuziehen vermochte, war zu einer Zeit, in welcher die Idee von allgemeinen Menschenrechten weder in der öffentlichen Meinung noch in den Kabinetten sich geltend gemacht hatte, für die Judenschaft eines jeden Landes ein wahres Bedürfnis. Dabei dürfen wir nicht unerwähnt lassen, daß bei Fürsten, bei denen der Judenhaß bedeutende Dimensionen gewannen, das Auftreten des Stadlan ein sehr gewagtes Unternehmen war, das nicht selten ihm das Leben kostete, daher in den Memorbüchern 440

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