Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 430)
- Language
- German
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Israel Markus Altschul setzte seine Denunziantentätigkeit gegen Juden noch lange fort. Im Jahre 1686 erscheint er sogar als jüdischer Prokurator, 1693 verlangt er von der Statthalterei ein Honorar für das von ihm verfaßte Buch über die Beschreibung des Prager Ghettos.14 Vom Fiskus zu einer Geldstrafe von 300 Rth. verurteilt, versuchte er sich am Ende des Jahrhunderts von der Zahlung dadurch zu befreien, daß er auf die dem Staate geleisteten nützlichen Dienste hinwies. Er habe den neuen Leder- Aufschlag (Steuer) eingeführt, die „Münz Verschwärzung" ausgeforscht, sich zu dem „aus dem Land verschleißen wollendes Silber gebrauchen lassen", was ihm auch vom Fiskalamt bestätigt wurde. Er führt auch die Summen an, die der Staat durch seine namentlich angeführten Denunziationen der Juden eingenommen habe. Die kais. Hofkammer verurteilte ihn im Jahre 1700 „bei diesen geldbeklommen Zeiten" dennoch zur sukzessiven Bezahlung seiner Strafe. Er starb im Jahre 1705. II. Der Prozeß wegen Beihilfe zur Ermordung Wenzel Winberskys. Wenzel Winbersky wurde, wie wir jetzt feststellen konnten, am 14. Dezember 1666 frühmorgens durch eine Gewehrkugel erschossen. Da er der Denunziant im Prozesse gegen Oberrabbiner Simon Wedeies war und auch sonst seit seiner Taufe gegenüber den Juden feindlich auftrat, suchten die Behörden seinen Mörder ausschließlich in jüdischen Kreisen, obwohl Winbersky wegen seiner maßlosen Schuldforderungen auch in christlichen Kreisen sehr verhaßt war. Die Behörden gingen in diesem Mordfalle besonders scharf vor, weil es sich, wie wiederholt betont wurde, um einen zum Christentum übergetretenen Juden handelte. Als Anklägerin trat ununterbrochen Ludmilla, die Frau Winberskys, auf, die sich bald mit einem Link verheiratete. Rücksichtslos denunzierte sie viele Juden, die lange in den Kerkern schmachten und teilweise sogar die Tortur erleiden mußten, bis sich ihre Unschuld herausstellte. Hierbei traten zumeist dieselben Leute, die gegen den Prager Oberrabbiner ausgesagt hatten, wieder als Zeugen auf. Hauptsächlich hatte es Ludmilla auf den Judenprimas Berl Jeiteles abgesehen, den sie der Anstiftung zum Morde beschuldigte. Der Primator wurde deswegen am 27. Jänner 1667 ins Gefängnis geworfen, nachdem jedoch der gesamte Rat der Prager Judenschaft und vier hohe Kontribuenten15 für ihn eine vom Altstädter Richter als genügend anerkannte Kaution de judicio sisti geleistet hatten, wurde er am 18. Feber 1667 aus dem Arreste entlassen. Ludmilla richtete ihre Anklagen auch weiterhin gegen Jeiteles, von dem sie in einer Eingabe an den Kaiser behauptete, 427