Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 424)
- Language
- German
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Die Erlebnisse des R. Berl Jeiteles als Primator der Prager Judenschaft. Von Dr. Tobias Jakobovits. R. Isachar Beer (Berl, Bernat) Jeiteles (Jeitels, Geidels) gehörte einer vornehmen Prager Familie an. Sein Großvater Moses Sohn des Simon J. und dessen Gattin Eliska waren schon 1615 Hausbesitzer in der Prager Judenstadt.1 Sein Vater LöbP war 30 Jahre lang Vorsteher der Beerdigungsbrüderschaft und der Altschul, weswegen sich die Familie auch Jeiteles-Altschul nannte. Von seinen vier Brüdern3 ragte besonders R. Simon41 hervor, der Oberjurist und Ältester der Prager Judengemeinde und Rabbiner in Raudnitz war. Seine Schwester Serl war die Gattin des R. Meir Sobotka, eines Nachkommens des Hohen Rabbi Low. Auch die jüngere Generation dieser Familie zeichnete sich als Vorsteher, Gelehrte und Wohltäter aus, deren spätere Nachkommen wieder sind uns als Apotheker, Ärzte und Buchdrucker bekannt. Dwerl, seine Gattin, war die Tochter des Hirsch Katz, aus der berühmten Druckherrnfamilie der Gersoniden.5 Er selbst wird als einer der bedeutendsten jüdischen Gelehrten bezeichnet und mit den großen Gelehrten des talmudischen Zeitalters verglichen. Durch sein hohes Wissen in der Berechnung der Mondphasen, in der Grammatik und in der Philosophie ragte er weit über die Männer seiner Zeit hervor. Ein handschriftliches Rechtsgutachten von ihm befindet sich noch heute in der Oxforder Bibliothek.6 Die Prager Judenschaft schätzte ihn nicht nur wegen seiner Gelehrsamkeit, sondern auch wegen seines ruhigen, friedliebenden und rechtschaffenen Wesens und wählte ihn 1645 zum Juristen, 1655 zu ihrem Ältesten. Damals waren in Prag unerquickliche Gemeindestreitigkeiten7 zwischen zwei Parteien ausgebrochen: der Bunzlischen (Süßkind- Bunzel) und der Lichtenstätter (Abraham Lichtenstadt) oder der Marlischen (Elias Marie) Faktion, diese bezichtigte jene der Bestechlichkeit. Über ausdrücklichen Wunsch der böhmischen Kammer wurde gegen 1660 unser Berl Jeiteles, der eigentlich keiner Partei angehörte, zum Primator der Prager Judenschaft gewählt. Das Amt eines Primators oder jüdischen Bürgermeisters war zu seiner Zeit zwar sehr ehrenvoll, größer waren jedoch die Unannehmlichkeiten, die damit verbunden waren. Bei noch so gerechter Kontributionsaufteilung gab es immer Unzufriedene, die ihren Groll gegen den Primator ausließen, auch wurde er vielfach wegen seines Amtes, mit dem ein Einkommen8 verbunden war, beneidet. Selbst die Behörden fügten dem Primator und den Ältesten 421