Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 419)
- Language
- German
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zu seinen Tagen solche „kleine Füchse, die die Weingärten verderben" aufgetreten sind, die die Worte Maimonides außer acht ließen, in denen er die Leute beschwor, daß niemand seine Werke lesen soll, der nicht die nötige Vorbereitung und gewisse sittliche und Geistesqualitäten besitzt. Der Maimonides-Streit in Prag gewinnt noch an Interesse durch die Person seines Urhebers, der später als R. Josef Aschkenasi zu großer Berühmtheit im Judentum gelangte.16 R. Josef ging aus Posen —vielleicht nach dem Tode seines Schwiegervaters — nach Verona in Italien, wo er sich eine Zeitlang aufhielt und von wo er nach Palästina auswanderte. 1570 finden wir ihn dort in der heiligen Stadt Safet, die zu jener Zeit Sammelpunkt derjenigen Kabbalisten war, die sich um Isaak Luria 9 den Schöpfer der neueren, sogenannten „lurianischen" Kabbala scharten. Wegen seiner talmudischen Gelehrsamkeit und großer Frömmigkeit genoß R. Josef in Palästina einen großen Ruf, namentlich aber hat er sich einen Ruhm als einzigartiger Kenner und Textkritiker der Mischna erworben, die er zu seinem Hauptstudium machte und auf eigentümliche Weise in einer Kantilene vortrug, um so den Inhalt besser dem Gedächtnis einzuprägen. Das vollzog er nach einer alten Mischna-Handschrift, die wohl aus dem Jahre 702 stammte. Diese Handschrift, die er besaß, war mit Vokabeln und Akzenten, die die Kantilene bezeichneten, versehen. Nach ihr nahm er auch seine meisten Berichtigungen des Mischnatextes vor. Wegen seiner ständigen Beschäftigung mit der Mischna und seiner tiefgründigen Kenntnis derselben wurde ihm das Epithet „Tana" (Mischnalehrer) beigelegt. Volkstümlich machte ihn wohl am meisten sein Vortrag der Mischna im eigentümlichen Singsang. Kaufmann sagt: „Nichts ist so sehr im Andenken der Nachwelt von ihm haften geblieben, als daß er den Vortrag der Mischna zu akzentuieren, melodisch zu beleben so trefflich verstanden hat." In Safet pflegte er auch innige Beziehungen mit Isaak Luria, der vielleicht sein Verwandter war.17 Nach dem Berichte des Schlimel aus Straßnitz (in Mähren), der 1602 aus Lundenburg nach Safet gelangte, war noch damals die Erinnerung daran lebendig, daß Isaak Luria unseren R. Josef jeden Freitagabend zu besuchen pflegte, um mit ihm gemeinsam den Text der Mischna zu wiederholen. Man darf wohl annehmen, daß sie dabei auch kabbalistische Studien getrieben haben, um so mehr, als zu jener Zeit auch die Mischna ein Objekt kabbalistischer Deutungen war. Der Kabbaiist Simson Bäk aus Safet nennt in seinem Berichte von 1582 unseren R. Josef den „göttlichen Tana" und schreibt von ihm, daß es seinesgleichen an Frömmigkeit in Israel nicht mehr gibt, daß er in den babylonischen und jerusalemischen Talmud tief eingedrungen ist und alle sechs Ordnungen der Mischna wörtlich auswendig gewußt hat. 1582 war er also nicht mehr am Leben. 416