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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1935-01-01 · 7 (1935) · page 420

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
7 (1935)
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 420)
Language
German
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IRI
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In seiner Textkritik der Mischna ist R. Josef nach streng wissenschaftlicher Methode verfahren, indem er nicht nur sein altes Mischnamanuskript, sondern sämtliche von ihm erreichbaren Quellen benutzte und alle ihm verdächtig erscheinenden Bestandteile der Mischna entfernte oder berichtigte. Salomo Adeni, ein Schüler Chaim Vital Calabreses, veröffentUchte die wichtigsten Emendationen R. Josefs in seinem großen text-kritischen Mischna-Kommentar „Melechet Schelomo". Wie groß die Kompetenz R. Josefs auf diesem Gebiete war, zeigt die Tatsache, daß der berühmte Mischna-Kommentator, der gew. Prager Oberrabbiner Jom-Tow Lipmann Heller, genannt „der Tosfat-Jomtow", eine Erklärung von ihm in seinem Kommentar anführt (Pea I, 3). So hat dieser einseitige Talmudist und fanatische Kabbaiist, ein erbitterter Maimonides-Gegner und abgesagter Feind jeder profanen Wissenschaft, durch seine Korrektur des Mischnatextes eine wissenschaftliche Tat ersten Ranges vollzogen, die ihn mit den Herstellern des traditionellen Bibeltextes, den Massoreten, sowie dem fleißigen Verbesserer alter Texte, dem Tossafisten R. Josef Tow-Elem (Bonfis; 11. Jahrhundert) in eine Reihe stellt. Wie populär sein Name wurde und wie hoch das Volk seine Gelehrsamkeit schätzte, zeigt ein Vers in einem jüdischen Volksliede, der so lautet: Ich mucht so wol lernen als Rabbi Josef Aschkenas, Oder möcht also reich sein als Meislen was.18 Nach Kaufmann ist hier unter „Rabbi Josef Aschkenas" unser R. Josef gemeint. Demnach werden in diesem Verse der große palästinensische Talmudgelehrte, der früher in Prag wohnte, und Mordechai Meisel, der Prager Rothschild des 16. Jahrhunderts, als Symbole der Gelehrsamkeit resp. des Reichtums gegenübergestellt. Wir werden also nicht fehlgehen, wenn wir annehmen, daß dieses Volkslied eine Schöpfung der Prager Judengasse ist, und zwar von der Zeit nach 1601, dem Todesjahr Meiseis. Die Erinnerung an den talmudgelehrten Schwiegersohn des Oberrabbiners R. Ahron hat sich noch lange im Prager Ghetto erhalten und die nach Prag eingedrungenen Nachrichten aus Palästina, namentlich aber die Briefe, die Schlimel aus Straßnitz über R. Josef nach Böhmen und Mähren sandte, dürfen seinen Ruhm noch erhöht haben, so daß das Volk von ihm die Vorstellung als von einem Fürsten der Tora bekam, wie Meisel in seinen Augen der Fürst der Geldmacht war. Vergegenwärtigen wir uns, daß R. Josef Aschkenasi bereits während seiner Prager Jahre als Mann von großer Gelehrsamkeit und Frömmigkeit galt, ferner daß er der Schwiegersohn des Oberrabbiners war, der als solcher höchstwahrscheinlich an der Spitze der Jeschiba stand, so gewinnt das Urteil des Jeschiba-Gerichts, das die Agitation R. Josefs 417

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