Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 416)
- Language
- German
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nahm. Der Verteidiger Maimonides war ein Posener Gelehrter, der später eine Flugschrift gegen R. Ahron und seinen Schwiegersohn, der mit ihm nach Posen übersiedelt war, verfaßte.10 Anlaß zu dieser Flugschrift gab eine Predigt, die der Obberrabbiner R. Ahron am großen Sabbat vor dem Pessachfest des jüd. Weltjahres 5319 (1559) in der Posener Hauptsynagoge hielt, die in den fortgeschrittenen Kreisen des Ghetto große Erregung hervorrief. In dieser Predigt ist der Oberrabbiner gegen jede Beschäftigung mit profanen Wissenschaften aufgetreten. Kein Jude, deklarierte er, dürfe was lernen außer dem Talmud, alle anderen Bücher seien ketzerische Werke und den heidnischen gleichzusetzen. Sogar mit dem Studium der Bibel dürfe man sich nicht allzuviel abgeben. Die Spitze war gegen die philosophischen Schriften Maimonides gekehrt. Als Beweis für die Verwerflichkeit des „More Nebuchim" führte er an, daß nach der ersten Drucklegung des „More" in Venedig (1551) der Talmud bald darauf (1553) im größten Teile Italiens den Flammen übergeben wurde, was nicht anders als die Strafe Gottes für die Veröffentlichung des ketzerischen Werkes Maimonides im Druck gewesen sei. Die frommen Lehrer Österreichs hätten ihre Verachtung gegen derartige Schriften ostentativ bekundet, indem sie dieselben als Fußteppiche oder als Sitzkissen benutzt hätten, auch hätten sie diese zum Teil öffentlich verbrannt. Der gelehrte Maimonist, von dem, wir bloß wissen, daß er Israel geheißen und einen Kommentar zur Einleitung geschrieben hat, die Samuel Ibn Tibbon seiner hebräischen Übersetzung der „Acht Kapitel" (a^pne naiD^) des Maimonides (dessen Ethik enthaltend) vorausschickt, sah sich durch diese Predigt veranlaßt, einen scharfen Kampf gegen den Oberrabbiner und einen noch schärferen gegen seinen Schwiegersohn zu eröffnen, den er für den intellektuellen Urheber der ganzen Kampagne gegen Maimonides und die Wissenschaft hielt. In seiner Streitschrift zeigt sich uns der Verfasser als ein Mann von außerordentlichem Scharfsinn, tiefem philosophischen Verständnis und großer Belesenheit in der jüdischen Philosophie, zugleich als gründlichen Kenner der Bibel und des rabbinischen Schrifttums, als gewandter Stilist und vorzüglicher Hebraist. Störend wirkt nur die allzugroße Leidenschaftlichkeit des Tones, die zügellosen Schmähungen, in denen er sich gegen seine Gegner ergeht,11 eine Sprache, die eines Gelehrten unwürdig ist, und nur durch seinen großen Eifer für den von ihm vergötterten Maimonides teilweise zu entschuldigen ist. Von der Flugschrift selbst sagt Bloch, sie sei „ein enthusiastischer Hymnus auf Maimonides und müsse für eine der besten und verständigsten Apologien des ,Morec erklärt werden." Aus dieser Flugschrift erfahren wir vom Maimonides-Streite des Autors mit dem Schwiegersohn des Oberrabbiners in Prag, der in der 413