Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 415)
- Language
- German
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des 15. Jahrhunderts lebten und deren Kenntnisse der Philosophie, namentlich der jüdischen so tiefgehend waren, daß sie diese in Schriften niederlegten. Diese beiden Rabbiner lebten und wirkten in Prag. Es sind das die Rabbiner: Menachem ben Jakob Kara(?), ein jüngerer Stiefbruder oder Vetter des bekannten Prager Kabbalisten und synagogalen Dichters Abigedor ben Isaak Kara, und Lipmann ben Salomo Mühlhamen (wahrscheinlich aus Mühlhausen bei Erfurt stammend), der berühmte Verfasser der polemischen Schrift „Nizzachon" gegen das Christentum.8 Sie bekleideten beide zur selben Zeit —und zusammen mit Abigedor Kara — Stellungen als Dajanim (Oberjuristen) in Prag. Menachem b. Jakob schrieb: 1. einen Kommentar zu den „Kawwanot Hapilisufim" (muid o^ioiten), einer hebräischen Version des Werkes „Meinungen der Philosophen" des arabischen Philosophen Algazzali.4 2. Kommentare zu Teilen des „More Nebuchim" in drei Abschnitten, wovon der dritte Abschnitt u. a. einen Kommentar zu den 25 Prämissen des Maimonides, die am Anfang des zweiten Teiles des „More" sich befinden, enthält. 3. Einen Kommentar zu den „Marot Elohim" (dvAk m*n&) des Chanoch Alconstantini über die Visionen der Propheten Jesaja, Ezekiel und Zecharja.5 Diese Schriften befinden sich handschriftlich in der Bodleiana in Oxford .6 Lipmann Mühlhausen zeigt sich als guter Kenner der jüdischen Philosophie bereits in seinem „Nizzachon", wo er verschiedene jüdische Philosophen des Mittelalters, insbesondere Maimonides zitiert, noch mehr aber beweist er seine Vertrautheit mit dieser Wissenschaft in seiner kabbalistisch-philosophischen Schrift „Sefer ha-Eschkol".7 8 Diese beiden Männer haben den Geist der Aufklärung und der Verehrung auch des Philosophen Maimonides in die Reihen der Talmudgelehrten Prags getragen und so eine Tradition geschaffen, die noch im 16. Jahrhundert lebendig war. Denn nach Jahrhunderten des Friedens, der zwischen den Parteien im Judentum in bezug auf die Philosophie Maimonides bestand, war es um die Mitte des 16. Jahrhunderts (genauer vor 1557) gerade in Prag, als zwei Talmudgelehrte, ein Maimonist und ein Antimaimonist, wieder die Waffen kreuzten, und zwar in einer förmlichen Gerichtsverhandlung vor der gesamten Jeschiba (Talmudhochschule). Da zeigte es sich, daß die Saat, die die genannten beiden Männer gesät hatten, gut aufgegangen war, so daß sämtliche „Jeschiba-Leute" die Partei Maimonides ergriffen und den Gegner zum Schweigen gebracht haben. Der beklagte Angreifer war ein Talmudgelehrter und Kabbaiist, ein Mann äußerster Frömmigkeit namens R. Josef, Schwiegersohn des Oberrabbiners R. Ahron, von welch letzterem David Gans9 berichtet, daß er eine große talmudische Kapazität war und 1557 von Prag nach Posen ging, wo er das Oberrabbinat über die ganze Provinz Posen über- 412