Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 414)
- Language
- German
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Ein Maimonides-Streit in Prag im sechzehnten Jahrhundert.1 Von Dr. B. Suler. Während Maimonides, der Verfasser der „Zweiten Lehre", der Kodifikator des Gesetzes, einstimmige Anerkennung als eine der größten nachtalmudischen Autoritäten im Judentum gefunden hat, ist der Philosoph Maimonides, namentlich der Autor des „More Nebuchim", das sich an die arabisch-aristotelische Philosophie anlehnt, heftig umstritten worden. Große Kreise der einseitig auf das Talmudstudium eingestellten Orthodoxie widersetzten sich überhaupt jedem Studium der Philosophie, insbesondere der des „Heiden Aristoteles" und fanden zudem im „More" vieles, was nach ihrer Meinung im Gegensatz zur Tradition und zum schlichten Sinne von Tora und Talmud stünde. Wenn auch bei Lebzeiten des großen Meisters niemand es wagte, gegen ihn aufzutreten, so begannen doch kurz nach seinem Tode2 leidenschaftliche Kämpfe im Judentum um seine philosophischen Schriften, die das Judentum fast der ganzen Diaspora aufwühlten und in zwei Lager, in Maimonisten und Antimaimonisten, teilten. Diese Kämpfe, die zuweilen sehr häßliche Formen annahmen, dauerten ein Jahrhundert. Schließlich obsiegte doch die Autorität Maimonides und der Glaube an seine aufrichtige, strenge Frömmigkeit, die Orthodoxie söhnte sich mit der Philosophie des Mannes, der die talmudische Wissenschaft so außerordentlich befruchtet und die Gesetzeslehre systematisiert hat, aus, so daß wir in den folgenden Jahrhunderten sogar Rabbiner finden, die sich eingehend mit den philosophischen Schriften Maimonides beschäftigen, und zwar nicht nur in Spanien und Italien, wo von jeher die Wissenschaften auch in rabbinischen Kreisen gepflegt wurden, sondern auch in Frankreich, Deutschland und Polen. Mit dem 17. Jahrhundert tritt allerdings wieder eine starke Reaktion in dieser Hinsicht ein, eine vollständige Abkehr von der Philosophie Maimonides wie überhaupt eine Verpönung jeder profanen Wissenschaft, was bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts, dem Beginn der sogenannten „Aufklärungsepoche" andauerte. Aus der bezeichneten lichteren Periode des herrschenden Friedens und Ruhe um den Philosophen Maimonides ragen in Böhmen —ja, vielleicht im ganzen damaligen Deutschen Reiche — besonders zwei Rabbiner hervor, die in der zweiten Hälfte des 14. und der ersten Hälfte 411