Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 401)
- Language
- German
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einer episodenhaften jüdischen Baukultur und Kunst haben ihre Vorbilder in Polen, wo der Wiener (nichtjüdische) Oberbaurat Alois Breier kurz vor dem Weltkriege nicht weniger als 25 derartiger Synagogen erforscht, z. T. vermessen und im Lichtbilde festgehalten hat.4 Als Vorbild und ältester Typ dieser Holzsynagogen ist jene von Chodorow5 (bei Lemberg) anzusehen, die 1652 von Israel ben Mardochai Lismitzki ausgemalt wurde, dem auch die ungemein reizvolle Synagoge in Gwozdiecz6 (nächst Kolomäa) zuzuschreiben ist. Die meisten dieser Holzsynagogen sind im Jahrhundert 1650 bis 1750 entstanden; die bayrischen Typen, nach deren Vorbild erstellt, wohl in das zweite Viertel des 18. Jahrhunderts zu verlegen und damit auch die Zeit der Wanderung jener Exulantengruppe, die sich nach dieser Gegend gewandt hatte. Wir erfahren aus Inschriften in der Malerei, daß diese in Horb im Jahre 1735 und in Bechhoven 1732 entstanden war und auch deren Urheber, der sich selbst als Elieser ben Schelomoh Sußmann benennt. Der Künstler stammt aus Brody7 in Galizien und scheint dem großen fränkischen Emigrantentrupp angehört zu haben. Diese starke Rückwanderung Ost/West ist zwar historisch nachgewiesen, erfährt aber durch diese fränkischen Holzsynagogen gleichsam eine sinnfällige Illustration. In den nachstehenden Ausführungen soll nun dargelegt werden, wie diese Wanderbewegung Ost /West auch in Böhmen und Mähren sichtbare Zeugen auf baulichem Gebiet hinterlassen hat, die z. T. im Schrifttum bereits bekannt, aber hinsichtlich ihrer Herkunft und Urform bisher nicht gewürdigt worden sind. Die baukulturell hochstehenden Juden des Ostens beschränkten sich nämlich keineswegs auf die Erstellung hölzerner Gotteshäuser, wenngleich diese, der heimischen Bauweise angepaßt, in der Mehrzahl sind. Denn wo es die Verhältnisse größerer Gemeinden gestatteten, ließ man massive Bauten errichten, die vielfach auch fortifikatorischen8 Zwecken dienen sollten und in ihren Attiken, die das flache Dach überragten , Schießscharten aufweisen. Diese weniger kunstals entwicklungsgeschichtlich sehr beachtenswerten Bauten zeigen in ihrer Grundrißanlage ein durchweg neues, durch kein früheres synagogales oder kirchliches Vorbild beeinflußtes Gepräge. Man ist versucht, gleichwohl in diesen massiven Synagogen eine Weiterentwicklung der bekannten mittelalterlichen Typen (Worms-Prag-Regensburg usw.) zu erblicken, veranlaßt durch deren größere Abmessungen, die die große Zahl der Gemeindemitglieder erforderlich machte. Aber diese originellen Grundrisse sind grundlegend durch die Programmforderung entstanden, dem Almemor, als Mittelpunkt des Gottesdienstes, eine beherrschende Stellung im Raum zu verleihen. Nicht der Aron hakodesch, der nach kirchlichem 400