Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 400)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2644300-2644313--3288-2647635- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Historische Baudokumente jüdischer Wanderung in Böhmen und Mähren. Von Alfred Grotte. Geschichte und Kunstgeschichte sind Wissenschaften, die einander ergänzen sollen und dort ergänzen müssen, wo das übliche historische Rüstzeug, die Urkunden, versagen. Dies ist aber gerade bei Forschungen über jüdische Zeitepochen leider nur zu oft der Fall. Und so haben denn die uns überkommenen Denkmäler alt jüdischer Kultur: Grabsteine, Kultgeräte usw. ernste Beachtung seitens der Forscher zu finden; sie sind archäologisches Material von größtem Werte und können uns Aufschluß geben über die Geschichte von Judengemeinden, deren sonstige Urkunden, wie leider nur zu oft, durch Brand oder Unverstand vernichtet worden sind. Aber auch alte Synagogen können zu Urkunden werden und das alte Wort saxa loquuntur bestätigen. Aus ihrer Bauart können, sofern man den Schlüssel kennt, auch wertvolle historische Rückschlüsse gezogen werden und Erkenntnisse entstehen, die imstande sind, Epochen einer Gemeindegeschichte zu rekonstruieren, die uns durch keine andere Urkunde überliefert wurden. Im VI. Jahrbuch hat der Verfasser versucht, die Übertragung kultureller Einflüsse Prags nach einigen jüdischen Gemeinden des Ostens nachzuweisen.1 Es waren Prager Exulanten, die im Osten Synagogen nach dem Muster der Altneu-Synagoge errichteten und mit diesen Bauten steinerne Zeugen für eine jüdische Wanderung von Westen nach Osten aufrichteten, eine Wanderung, die auch durch Urkunden beglaubigt erscheint. Weniger erforscht aber ist die nach dem Dreißigjährigen Krieg, etwa 300 Jahre später einsetzende Rückwanderung zahlloser Judenfamilien in Richtung Osten/Westen, die sich teils in geschlossenen Massen, teils auf Einzelfamilien beschränkt, vollzogen hatte. Ein solcher Strom bewegte sich im 17. Jahrhundert nach dem bayrischen Frankenlande und hat dort äußerst wertvolle Baudenkmäler hinterlassen. In Bechhoven (nächst Ansbach), Horb (unweit Lichtenfels), Kirchheim (bei Würzburg), Unterlimpurg und mehreren anderen kleineren Orten des Frankenlandes entstehen im 17. Jahrhundert Holzsynagogen,2 die äußerlich höchst unscheinbar, im Innern eine ungemein originelle und farbenprächtige Ausmalung erhalten haben, deren eigenartige Verflechtung von Arabesken mit tierfiguraler Ornamentik ebenso Erstaunen erregen muß, wie die bedeutsame künstlerische Konzeption des Maler-Architekten ,8 Diese hochbeachtlichen Werke 399