Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 391)
- Language
- German
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Von dieser Gesellschaft aus war wahrscheinlich Abraham Morpurgo, der 1620 zum kaiserlichen Hof juden ernannt worden war, zum Münzverwalter für Neisse ausersehen worden, wie seine Bestallung vom 4. Juni 1622 ausweist.20 Für diese jetzt gemeinsam gepachtete Neisser Münze lieferten nun jüdische Münzlieferanten, unter denen sich auch neben dem in Glatz weilenden Joachim Buchdrucker21 und dem Neisser Hofjuden Elias22 der erwähnte Manasse von Hotzenplotz befand, das benötigte Prägemetall. Daher kam dem Bischof ein kaiserlicher Erlaß recht ungelegen, gemäß dem die jüdischen Silber- und Goldaufkäufer wegen Ausfuhrverdachts besonderer Überwachung anempfohlen wurden. Die Stadt Breslau ergriff selbstverständlich wieder die Gelegenheit, um gegen die ihr verhaßten jüdischen Münzaufkäufer vorzugehen. Da dies aber nur die betreffenden Münzstätten schädigte, entschloß sich Bischof Karl am 29. August 1622 dazu, dem Breslauer Rat mitzuteilen, daß er zwar auch von dem kaiserlichen Mandat gehört hätte, trotzdem aber bitte, seine jüdischen Münzlieferanten ungehindert in Breslau handeln und passieren zu lassen.23 Vorläufig bedurfte also die Neisser Münze noch der jüdischen Münzlieferanten. Daher trat Bischof Karl jedesmal für Manasse ein, wenn ihm die Breslauer, wahrscheinlich unter Berufung auf das kaiserliche Mandat, bei seinem Breslauer Aufenthalt Schwierigkeiten machten. So schrieb er am 8. November 1622 ein spezielles Empfehlungsschreiben für Manasse an den Breslauer Rat, in dem er unter ausdrücklichem Hinweis darauf, daß Manasse „auch by unserm allhiesigen Münczwesen guete nüczliche Servitia prestieret" hat, für den ungestörten Handel Manasses eintrat.24 Auch zu Beginn des nächsten Jahres — 1623 — sah sich Erzherzog Karl, wahrscheinlich wieder auf Beschwerde des Manasse, dazu veranlaßt, bei dem Breslauer Rat für ihn zu intervenieren, um ihm die ungehinderte Abführung des aufgekauften Pagaments zu ermöglichen.25 Während so Manasse von fürstlicher Seite geschützt wurde, wurden andere Juden im selben Jahre in Neisse wegen „unerlaubter Pagament- (d. h. Bruchsüber-)einschmelzerei" verhaftet und ihnen ihr Vermögen beschlagnahmt. Wie bereits erwähnt, lieferten außer Manasse noch andere Juden Prägemetall für die Neisser Münze. Daher kam es, daß sich in Neisse eine Menge Juden zusammenfanden, die sich unter dem Schutz der Münzlieferanten dort aufhielten und für sie lieferten. Zu diesen gehörten auch Moises Kiefer (Moses ben Akiba) aus Hotzenplotz und Isaac Michael aus Nikolsburg, die anscheinend Unterlieferanten unseres Ma- 390