Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 389)
- Language
- German
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Erst im Jahre 1622 begann Manasse von Hotzenplotz als erster Jude mit größeren Lieferungen für die Münze. Wegen seiner ansehnlichen Münzeinlieferungen setzte er beim Breslauer Rat seine persönliche Duldung in Breslau durch —, als einer unter sehr wenigen Juden seit dem Mittelalter, und als der erste im 17. Jahrhundert. Aber es ging ihm fast genau so wie seinem unmittelbaren jüdischen Vorgänger an der Münze, dem jüdischen Leiter der Breslauer Münze im Jahre 1546, Isaac Meyer aus Prag.8 Ebenso wie dieser wurde er insultiert, und zwar von jungen Leuten vom Adel und der Bürgerschaft. Er beschwerte sich über diese Belästigungen beim Herzog Heinrich Wenzel zu Münsterberg, Oels und Bernstadt, für dessen damals von Balthasar Zwirner geleitete Münze9 er wahrscheinlich das benötigte Silber geliefert hatte. Der Herzog kam sicherlich aus diesem Grunde seinem Ansuchen nach und verwendete sich in einem persönlichen Schreiben (vom 22. März 1622) beim Rat der Stadt Breslau für Manasse von Hotzenplotz.10 Kaum war er diesen Belästigungen entgangen, so bot sich dem Breslauer Rat ein neuer und willkommener Anlaß, gegen den Juden, der entgegen den Privilegien der Stadt in Breslau weilte, vorzugehen. Wie bereits gesagt, war Manasse von Hotzenplotz ein vielseitiger Mann. Sein Abnehmerkreis erstreckte sich über ganz Schlesien. Nicht nur an den Münzstätten von Breslau und Oels war er als Lieferant bekannt, auch andere Münzen, so die zu Neisse und die zu Skotschau (im Fürstentum Teschen) gehörten zu seinen Kunden. Die beiden letzteren sollten ihn in unangenehme Lagen bringen. Bereits die Skotschauer Münzlieferung war für Manasse mit unangenehmen Folgen verbunden. Am 3. Februar 1622 hatten die Teschener Regierungsräte, nachdem sie schon 1621 die Teschener Münze an christliche Kipper verpachtet hatten, auch die Skotschauer Münze an Daniel Raschke von Ratibor und seine Kompagnons Matthias Thurso und Johann Wagner auf zwei Jahre gegen einen jährlichen Pachtzins von 38.000 Taler verpachtet M Der Breslauer Bischof Karl erklärte als Vormund des abwesenden Teschener Herzogs Friedrich Wilhelm von Teschen (1617—1625), des letzten Teschener Herzogs aus dem Piastenhause,12 in zwei Schreiben (vom 27. Februar und 15. März 1622) diese Verpachtung der Skotschauer Münze für ungültig und übergab sie den Pächtern der Teschener Münze. In der kurzen Zeit ihrer Pacht aber hatten Raschke und seine Kompagnons doch Münzen geprägt, die außer mit seinem Buchstaben mit dem Skotschauer S gezeichnet waren .13 Das Prägesilber hatte ihnen Manasse geliefert und die Bezahlung in den dort geprägten Münzen erhalten: in den 24igern, der beliebtesten Münze der Kipperzeit, die in der schlechtesten Qualität und massenhaft hergestellt wurde.14 388