Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 372)
- Language
- German
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II I. DIE VERHANDLUNGEN ÜBER DIE REGELUNG DER JÜDISCHEN KULTUS- UND SCHULVERHÄLTNISSE IN BÖHMEN IM JAHRE 1809. 1 Die Übersicht der Institutionen der Prager Judengemeinde siehe in der Beilage unter Prag. 2 Das Verzeichnis der jüdischen Kultusgemeinden in Böhmen, zusammengestellt nach den amtlichen Berichten der Kreisregierungen, Bezirkshauptmannschaften und Judengemeinde vorstände, siehe in der Beilage. 3 Vgl. die Statthalterei-Registratur im Archiv des Ministeriums des Innern in Prag, 1841-1855, Sign. 18/1/5. 4 Die jüdische Schule zu Schwarz-Kosteletz nimmt in der Entwicklung des jüdischen Schulwesens in Böhmen eine derartige Ausnahmestellung ein, daß sie eine ausführliche Erwähnung verdient. Der Vorsteher der dortigen Judengemeinde Hermann Martinowes unternahm es im Jahre 1845, entsprechend einem langjährigen Plane eine Judenschule zu errichten, deren Lehrplan vorwiegend der ärmeren jüdischen Jugend eine bessere Ausbildung gewährleisten würde. Ihr Ziel sollte die harmonische Entwicklung der körperlichen und geistigen Kräfte der Jugend bilden, die Weckung und Belebung ihrer religiösen und moralischen Gefühle und die frühzeitige Gewöhnung an Tätigkeit, Fleiß, Selbstbeherrschung und andere für den angehenden Staatsbürger unerläßliche Tugenden. Einfache, gesunde Kost, Turnen und Bewegung an der freien Luft, Bekämpfung der von Hause mitgebrachten Verzärtelung — das waren die Mittel, welche den Lehrplan dieser Schule vorteilhaft über das damalige Allgemeinniveau hinaushoben. Der Lehrplan (Religion, Deutsch, Rechtschreiben, Rechnen, Lesen, Schönschreiben„ Aufsätze, Vaterlandskunde, vaterländische Geschichte, Geographie, Briefstil> Weltgeschichte, Geometrie, Baukunst) war für vier Klassen berechnet und sollte mit einer Prüfung für die Hauptschule schließen. Die tschechische Sprache war in der 3. und 4. Klasse obligat und die fähigeren Schüler sollten auch Gesang > Musik, Zeichnen und Französisch lernen. In den Nachmittagsstunden wurde Hebräisch unterrichtet und die Mädchen lernten außerdem auch Handarbeiten. In jedem Kurse wurde für einige Wochen ein Tanzlehrer aus Prag berufen. Überall sollte Ordnung und Reinlichkeit herrschen, der ganze Tag hatte seine genaue Zeiteinteilung, damit sich die Zöglinge Ordnung und regelmäßige Lebensführung angewöhnen. Die Schule sollte öffentlich sein, mit drei Lehrern arbeiten und über ein Internat verfügen. Da sie den geltenden Bestimmungen entsprach, so wurde das Ersuchen der Judengemeinde zu Schwarz-Kosteletz um ihre Bewilligung von allen zuständigen Behörden empfohlen und mit Gubernialdekret vom 16. Oktober 1845, Z. 63.954, endgültig bewilligt. Die Schulerhaltung fiel dem jüdischen Gemeindeausschuß zu, der Voranschlag war mit 91 fl. 36 kr. aktiv (Ausgaben: 596 fl. CM., Bedeckung 687 fl. 36 kr.). Ausgabenposten: 1 Lehrer, gleichzeitig Religionslehrer: 200 fl., 2 Schulgehilfen je 100 fl., Mietzins auf 6 Jahre 100 fl., Reinigung 36 fl., Holz 60 fl. Einnahmen: 58 Personen je 2 fl., Schulgeld von 63 Kindern ä 15—6 kr. durch 48 Wochen: 561 fl. 36 kr., Zinsen der Widmung von Sim. und Leop. v. Laemmel 10 fl., insgesamt 687 fl. 36 kr. Die Schule wurde sofort eröffnet und erfreute sich bald eines sehr guten Rufes * Im Jahre 1846 gab es hier schon 103 jüdische Kinder, die armen darunter bekamen auch die Kost umsonst. Für auswärtige Kinder war ein Pensionat eingerichtet. Selbst das Kaufimer Kreisamt, dessen Aufsicht die Schule unterstand, und der Böhmischbroder Schulaufseher Morawetz kargten in ihren Amtsberichten nicht mit aufrichtiger Bewunderung über die raschen Fortschritte dieser Schule, die schon im Jahre 1846 zu den besten inländischen Schulen gehörte. Der größte Nachteil der Schule bestand darin, daß sie kein eigenes Gebäude hatte und sich mit gemieteten Räumen in 4 Häusern begnügen mußte, was freilich Schwierigkeiten machte Die Schulkinder, deren viele auch aus weit entfernten Orten stammten, ja auch 370