Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 373)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2644300-2644313--3261-2647608- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
aus anderen österreichischen Erbländern, wurden gemeinsam verköstigt, Knaben und Mädchen getrennt. Der Stifter der Schule Martinowes erhielt bald vom Gubernium und auch vom Konsistorium eine amtliche Belobung. Die Schlußprüfungen der Kinder zeigten stets einen sehr schönen Erfolg, besonders wurde die gute tschechische Aussprache der Kinder gelobt, ihre Reinlichkeit und das musterhafte Benehmen. Trotz dieser amtlichen Belobung und ungeachtet des Umstandes, daß selbst Erzherzog Stephan am 19. Feber 1847 das Protektorat dieser Schule übernahm, wartete Martinowes vergeblich auf eine behördliche Unterstützung. Noch im Jahre 1850 hatte die Schule kein eigenes Gebäude, und als im Jahre 1850 einige gemietete Schulräume ausbrannten, bedeutete das praktisch das Ende der Musterschule, die so vielversprechend begonnen hatte. Martinowes war damals von Schwarz-Kosteletz nach Bubentsch übersiedelt und versuchte nun, auch die Schule dorthin zu verlegen, doch ohne Erfolg. Es zeigte sich, daß die behördliche Bewilligung auf Errichtung der Schule nicht auf die Person ihres Stifters und Erhalters lautete, sondern auf den Ausschuß der Judengemeinde in Schwarz-Kosteletz, der, ohne tatsächlich finanziell beteiligt zu sein, der Schule den bloßen Namen gab. Die Schule in Bubentsch mit 40 Schülern wurde daher bereits nach zwei Tagen behördlich verboten und im Oktober 1850 wrurde auch das Ansuchen der Lehrer E. Bondi, Jos. Gruß und Jos. Kohn abgewiesen. Martinowes versuchte dann noch eine Schule zu Kuchynka bei Prag vor dem Korntor (Äitnä bräna) zu errichten; im Jahre 1851 war diese jüdische Privatschule in der Gerstengasse (Jecnä ulice) untergebracht und die Bewilligung war dem Lehrer Isaak Goldschmied erteilt worden. In Schwarz-Kosteletz verblieb nur eine bescheidene Judenschule für die Schulkinder des Ortes, etwra 16 an der Zahl; sie hatte im fürstlichen Gebäude Unterkunft gefunden. Mitte 1853 wurde diese Schule von der Statthalterei bis zur definitiven Regelung des jüdischen Kultus und Unterrichts bestätigt, falls sich die Judengemeinde protokollarisch verpflichtet, sie zu erhalten (nach den Akten im Archiv des Ministeriums des Innern, 1841-55, Sign. 18/1/5 und 28/196/3d und PG. 1846-49, Sign. 7/4). 5 Vgl. meinen Artikel „Zur Zensur jüdischer Bücher in Böhmen zu Anfang des 19. Jahrhundertes" in diesem Bande des Jahrbuches, Anm. 12. 6 Über Hainsfurts Entwurf vgl. eingehender meine Studie: „Die Versuche zur Errichtung eines Jüdischen Seminars in Prag in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundertes4 4 in diesem Bande des Jahrbuches. 7 Samuel Prazak an das Innenministerium 25. I. 1850, Orig. in 18/1/5. 8 Kafka an das Kultusministerium 4. II. 1850 ebenda. 9 Thun an Mecsery 19. II. 1850, ebenda. 10 Präsidialzirkular der Statthalterei an alle Kreispräsidenten v. 5. III.. 1850, Z. 10.695 in 18/1/5. 11 Vgl. das Verzeichnis der jüdischen Kultusgemeinden in der Beilage. Die Liste kann freilich nicht für unbedingt vollständig gelten, mag sie auch auf Grund von amtlichen Berichten gearbeitet sein; sie enthält jedoch höchstwahrscheinlich die überwiegende Mehrheit der jüdischen Kultusgemeinden, soweit sie formal konstituiert waren. — Unter den eingelangten Relationen der Bezirkshauptmannschaften, Judengemeinden und Einzelpersonen lagen eingehendere Entwürfe für die künftige Organisation der jüdischen Kultusgemeinden vor von den Judengemeindevorständen in Raudnitz, Tachau, Neugedein, Petschau, Böhmisch-Leipa, Wolin, Smichow, Kuttenplan, Karolinenthal, Neuern, Münchengrätz, Kreuzkirchen, Lieben und Chiesch, ferner von folgenden Rabbinern: dem Pilsner und Klattauer Kreisrabbiner Angelus Kafka, dem Prachiner Kreisrabbiner Markus Pollak in Breznitz, dem Bunzlauer Kreisrabbiner Dr. J. Elbogen, dem Substitut des Königgrätzer Kreisrabbiners Jonas Wiesner, dem Rabbiner in Amonsgrün Sim. Hainsfurt, dem Rabbiner in Tachau Sal. Lengsfelder, dem Leitmeritzer Kreisrabbiner Dav. Pick, dem Substitut des Bidschower Kreisrabbiners und Jitschiner Rabbiner Abraham Grünfeld, dem Kreisrabbiner Sal. Winter und dessen Substitut Dav. Platschek, dem Drosauer Rabbiner A. Bloch, dem Koste- 371