Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 369)
- Language
- German
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vor, diesmal unter dem vereinigten Titel „Höre Israel oder Hilfsquellen zur Beförderung der religiösen und moralischen Organisation der Israeliten". Über die Schicksale dieses dritten Versuches sind wir aus den Akten nicht unterrichtet; — Ende 1823 drängte Beer beim Gubernium auf eine Entscheidung, mußte sich aber mit dem Bescheide begnügen, das Manuskript sei schon im April der Wiener Zensur zur Beurteilung zugesandt worden und noch nicht zurückgelangt. — Kurz nach der ersten Redaktion seiner erwähnten Schrift unterbreitete Beer der Wiener Zensur den ersten Teil der Handschrift eines weiteren Werkes „Geschichte, Lehren und Meinungen aller bestandenen und noch bestehenden religiösen Secten der Juden und der Geheimlehre oder Cabbalah"; auch hier wurden von der Zensur zahlreiche verfängliche Stellen gestrichen, die gegen die Rabbiner und gegen die Staatspolitik gerichtet waren. — Diesmal gab auch Eichler zu, nach Korrektur der beanständeten Stellen könnte dem Buche das Imprimatur erteilt werden. — Beer, ein entschiedener Anhänger der „neophilen" Richtung unter der damaligen Judenschaft und Gegner der „palaeophilen" Rabbiner und Talmudisten, wollte seine Sympathie für die Lehre des zu Berlin im Jahre 1789 verstorbenen Moses Mendelssohn auch äußerlich zum Ausdruck bringen. Im Dezember 1824 wandte er sich an das Gubernialpräsidium mit der Bitte um die Erlaubnis, im Prüfungssaale der Prager jüdischen Hauptschule das Bildnis Mendelssohns anbringen zu dürfen; er wollte es aus dem Erlös seines neuen, von der Zensur bereits bewilligten Werkes anschaffen, welches wiederum auf die Hebung des moralischen und religiösen Niveaus und auf die Beseitigung des veralteten und zwecklosen religiösen Zeremoniells berechnet war. Das erzbischöfliche Konsistorium gab in seinem Gutachten über dieses Ansuchen Beers die Verdienste zu, die sich Mendelssohn um die religiöse, moralische und intellektuelle Bildung der Judenschaft erworben, emphahl jedoch das Gesuch abzulehnen, mit dem Bemerken, es wäre nicht passend, das Porträt in einem Schulsaale anzubringen, dessen Wände bereits die Bilder Kaiser Josefs II. und Franz I. tragen, zumal da sich Mendelssohn keine Verdienste um das deutsehe Schulwesen erworben habe. Das Gubernium beschied hierauf Beers Ansuchen nach dem Antrage des Konsistoriums ablehnend. — Beer stand sonst um seiner Reformtätigkeit willen sowohl beim Prager Gubernium als auch beim erzbischöflichen Konsistorium in Gunst. Diese Gunst der Behörden, motiviert durch die Staatsräson, die alte Kluft zwischen Juden und Christen möglichst zu überbrücken, äußerte sich auch im Jahre 1837, als Beer ein neues Büchlein „Reminiscenzen. Bezüglich auf Organisation des öffentlichen Gottesdienstes bei den Israeliten44 (Prag 1837, SS. 73) herausgegeben hatte, dessen Reinertrag dem Prager jüdischen Spitale für arme kranke Schüler der Prager jüdischen Hauptschule zufließen sollte. Die Broschüre schilderte die Entwicklung der Bestrebungen nach Reform des jüdischen Religionsritus und nach Einführung des Chorgesanges und des Orgelspieles in den Synagogen anstatt der früheren unverständlichen Melodien polnischen Ursprungs; eine solche Reform war schon im Jahre 1810 durch Isr. Jakobsohn in Westfalen, im Jahre 1817 durch den Bankier Jak. Beer in Berlin und 1819 in Hamburg eingeführt worden und in Prag bemühte sich darum der „Verein zur Regulirung des relig. Cultus bei den Israeliten in Prag44, der im Jahre 1837 die Altschulsynagoge für die Ausübung dieses reformierten Ritus gewann. In Böhmen datierten diese Versuche von dem 1. Jänner 1832, da in der Prager Zeitung ein pseudonymer Aufruf abgedruckt war, demzufolge dann etwa 70 gebildete Juden zu einer Beratung über die Reform des Gottesdienstes nach dem Vorbilde des Wiener Tempels zusammentraten. Auch sonst in Böhmen kam es damals zur Gründung ähnlicher Vereine — so z. B. in Teplitz, wo im Jahre 1834 der verbesserte Ritus in der dortigen Synagoge eingeführt wurde und am 19. April 1837 zum erstenmal auch die Orgel erklang. Auch in Prag wurde nach Erwerb und Umbau der Altschulsynagoge ein Männer- und Knabenchor eingeführt, ein Prediger in der Person des Dr. Sachs bestellt und am 19. April 1837, am Geburtstage des Kaisers, wurde die Synagoge in Gegenwart des Oberstburggrafen Chotek und anderer hoher Beamter eingeweiht. Nach der Schil- 367