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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1935-01-01 · 7 (1935) · page 367

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
7 (1935)
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 367)
Language
German
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6 Über Oppenheims Bibliothek vgl. Guido Kisch 1. c. 452 und Anm. 35. 7 Markus Fischer gab im Jahre 1823 die Broschüre „Allerlei über Juden und Judenthum" heraus (Prag 1823, Schölls Buchdruckerei, 1. Band der Sammlung „Archiv für Gegenstände den Mosaismus und seine Bekenner betreffend", SS. 108). Ein gut und witzig geschriebenes Buch, das von einem liberal denkenden, gebildeten und belesenen Autor zeugt, der auch die ausländische Judenliteratur kannte; es enthielt^mehrere feuilletonistische Artikel über aktuelle Judenfragen und war vom Prager Zensor Zimmermann approbiert. Als es jedoch im Buchhandel auftauchte, wurde die Wiener Zensur darauf aufmerksam gemacht und sie fand darin mehrere anstößige Stellen (auf S. 21, 26,43, 77,96, 97,103); im Auftrage Sedlnickys erteilte daher das Gubernium Zimmermann eine Rüge. Zimmermann unternahm zwar einen überzeugenden Versuch, den Inhalt der beanständeten Buchstellen zu verteidigen, zumal er bereits vor der Drucklegung zahlreiche verfängliche Partien gestrichen hatte, aber seine Verteidigung fand in Wien kein Gehör. Seldnicky ließ dem Zensor eine neuerliche Rüge für seine Unachtsamkeit aussprechen und das Buch erhielt die Zensur „transeat" (vgl. PG. 1821-1825, 16/87). 8 Fischer macht hier aufmerksam, daß das rabbinische Wort „mammon" nicht allein Geld, sondern auch Reichtum, Vermögen u. dgl. bedeutet. 9 Daß Alber einen getauften Juden zum Berater hatte, wird auch in Fischers Korrespondenz mit Eleazar Flekeles erwähnt (vgl. S. H. Lieben: Rabbi Eleazar Flekeles. Jahrb. d. Jüdisch-liter. Ges. Frankfurt a. M. X 1913, S. 9). 10 Fischers Elaborat v. 28. Feber 1814 mit den dazugehörigen Akten in PG. 1811-1815, Fasz. 16/186. 11 Fischer führt folgende bibliographische Hilfsmittel an: des Hamburger Pastors Christ Wolf: Bibliotheca hebraica (4 Bände), Bartolocius und sein Fortsetzer Imbonati: Bibliotheca rabbinica (5 Bände), den Katalog der Oppenheimschen Bibliothek, Buxtorf: Bibliotheca rabbinica. *2 Über die Tätigkeit und die Reformbestrebungen Peter Beers vgl. Roubik: Die Verhandlungen über die Revision des jüdischen Systemalpatentes vom Jahre 1797 (Jahrb. d. Ges. f. Gesch. d. Juden in der CSR., Jg. V, 1933, S. 316ff.), ferner Roubik: Der Kampf um die „Jüdische Universität" und die fremden Bocherim in Prag (ebendort Jg. VI, 1934, S. 307ff.). Hiezu noch einige ausführliche Nachrichten PG. 1816-20, 16/112, 162, PG. 1821-25, 16/38, 87, ebenda 7/23, PG. 1836-40, 16/37. — Peter Beer, geb. 1762 in Neubidschow, widmete sich zuerst als „bocher" dem Privatunterricht von Kindern in Prager Judenfamilien, ab 1802 war er kürzere Zeit Lehrer in Ungarn, dann wirkte er als Lehrer in Neubidschow, im Jahre 1811 wurde er zum Lehrer der Moral und jüdischen Geschichte an der Prager jüdischen Hauptschule ernannt und im Jahre 1813 wurde er als Lehrer derselben Fächer für die Prager Gymnasien bestellt. Seine Reformtätigkeit, die im Geiste Mendelssohns die mittelalterlichen talmudistischen Überlebsei beseitigen, den Einfluß der konservativen Rabbiner schwächen und das Gesamtniveau der böhmischen Judenschaft heben wollte, zog Beer seitens seiner Glaubensverwandten die Beschuldigung der Immoralität und Irreligiosität zu, doch die Untersuchung brachte die Grundlosigkeit dieser Anschuldigung zutage. Ende Jänner 1818 richtete Beer ein Gesuch an den Kaiser um die Erlaubnis, ihm sein vorbereitetes „Handbuch der mosaischen Religion" widmen zu dürfen, aber trotz einer Empfehlung des erzbischöflichen Konsistoriums wurde die Bitte abgeschlagen und Beer dafür nach Erscheinen des angekündigten Buches eine andere Belohnung versprochen. — Im Oktober 1820 unterbreitete Beer der Wiener Zensur das Manuskript seiner neuen Arbeit „Höre Israel!", das die religiöse und moralische Verfassung der Juden in den österreichischen Staaten schilderte und den Unterschied zwischen den Talmudisten und Rabbinern klarmachte. Da sich die Studie an vielen Stellen mit Prager Verhältnissen befaßte, wurde sie von Minister Sedlnicky dem Oberstburggrafen Kolowrat zugesandt, um sie auch von der Prager Zensur beurteilen zu lassen. Das Gubernium holte Gutachten darüber ein beim Kanonikus und Kirchengeschichtsprofessor Zensor Jos. Dittrich und beim Vorstande der Zensurbehörde Gubernialrat Eichler. 365

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