Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 346)
- Language
- German
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Dem Einwände der Juden gegenüber, die Aufhebung des Friedhofes würde gegen die jüdischen Religionsgrundsätze verstoßen, machte der Magistrat geltend, auch alle anderen älteren Prager Judenfriedhöfe (am Augezd, im Judengarten) seien anstandslos aufgehoben worden. Doch auch diesmal kam der Magistrat nicht zu seinem Ziele. Die Gutachten und Entwürfe der Judengemeinden, der Rabbiner und der Bezirkshauptmannschaften unterschieden sich also in ihren Anschauungen betreffs der Grundfrage der künftigen Organisation des Judentums bedeutend und ließen ahnen, daß diese Unstimmigkeiten auch bei der Konferenz zutage treten würden, die der Statthalter Mecsery auf Thuns Urgenz hin auf den 25. November 1850 nach Prag einberufen und hiezu insgesamt siebzehn Repräsentanten der Prager und Land juden - schaft aus Laien und Rabbinerkreisen eingeladen hatte. Die Vorschläge zur Wahl dieser Vertreter waren von den Kreisregierungen ausgegangen, aber die Statthalterei hatte sie durch einige Personen ihres Vertrauens ergänzt. Von bekannteren Persönlichkeiten waren geladen: aus der Prager Judengemeinde Landau, Rappaport, Wessely, Kämpf und Wehli, von den Provinzrabbinern der Koliner Frank, der Kaladeier Mahler, der Raudnitzer Kohn, der Böhm.-Leipaer Hamburger, der Teplitzer Pick und der Pilsner Kafka, neben denen entsprechend dem einmütigen Wunsche zahlreicher Judengemeinden an den Beratungen etwa die gleiche Anzahl Laien namentlich aus den Kreisen der Landjudenschaft teilnehmen sollten, um ein Gegengewicht gegen den Einfluß der Rabbiner zu bilden.17 Übrigens befriedigte auch diese Zusammensetzung die Provinzgemeinden keineswegs — die Böhm-Leipaer Gemeinde brachte Anfangs Dezember bei der Statthalterei schriftliche Beschwerde ein, daß die größten Judengemeinden in der Kommission keine Laienvertreter hätten, daß manche der zahlreichen Rabbiner nicht das Vertrauen ihrer Gemeinden besäßen und daher von ihnen zu befürchten stünde, sie würden allzusehr auf ihren persönlichen Vorteil bedacht sein, daß in der Kommission auch Mitglieder der Gesellschaft vormaliger jüdischer Steuerpächter säßen, denen die gesamte Judenschaft ihres früheren rücksichtslosen Verhaltens wegen entschiedenes Mißtrauen entgegenbringe. Geradezu panischen Schrecken hatte nach dem Berichte des Böhm.-Leipaer Kreishauptmannes Kotz die Bestimmung des Entwurfes über die mit der Neuorganisierung verbundenen Kosten hervorgerufen; auch die Beschwerde der Böhm.-Leipaer Judengemeinde klagte darüber, die Neuordnung werde die erschöpften Judengemeinden neuerdings zugunsten der Rabbiner belasten und empfahl, die Errichtung des projektierten jüdischen Seminars bis zur Liquidierung der Judensteuerdirektion aufzuschieben, denn dann könnten die erzielten Personalersparnisse zur Erhaltung des Seminars angewandt werden. Der Kreis- 344