Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 338)
- Language
- German
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dd. 25. Jänner 1850 knüpfte Prazäk an seine mündlichen Verhandlungen mit dem Ministerium vom August 1849 an. Er wies auf das Mißtrauen hin, dem namentlich bei den Landjuden Hainsfurts Entwurf begegnet war, und machte sich erbötig, ein Programm für das künftige Statut der jüdischen Kultusgemeinden in Böhmen auszuarbeiten. Vorweg jedoch protestierte Prazäk gegen die Bestrebungen der Judengemeinden, die Regelung der Kultusangelegenheiten an sich zu reißen — er erblickte darin den Zündstoff der Spaltung unter der Judenschaft und den Anfang von Schismen, da in einigen Gemeinden unberufene Neologen das Bad mit dem Kinde ausgießen und anderwärts wieder orthodoxe Juden die veralteten mittelalterlichen Zeremonien aus den finsteren Zeitläuften der jüdischen Knechtschaft erneuern würden. Prazäk empfahl daher, sofort bevollmächtigte Juden zu einer Beratung einzuberufen, und zwar so, daß auf je zweitausend Juden zwei Vertreter entfallen sollten, ein Rabbiner und ein Laie, also insgesamt 35 bis 37 Rabbiner und ebensoviele Laien, und aus diesen sollte das Ministerium 20 (10 -f- 10) auswählen, die dann in Prag rasch den Entwurf eines neuen Statuts für die Judengemeinden ausarbeiten sollten .7 Fast gleichzeitig wurde das Ministerium für Kultus und Unterricht auf die Notwendigkeit von Reformen der jüdischen Kultusverfassung auch von dem Pilsner und Klattauer Kreisrabbiner Angelus Kafka aufmerksam gemacht.8 Mit dem Danke an den Kaiser, daß er nach tausendjähriger Knechtschaft den Juden die Freiheit geschenkt, verband Kafka die Mahnung, man müsse die religiöse Freiheit von oben her leiten, damit sie nicht in schädliche Ungebundenheit ausarte. Nach seiner Anschauung zeigten sich auf dem Lande unter der Juden schaft überall Anzeichen von Anarchie in Religionssachen, so daß die jüdische Religion von der Auflösung bedroht erscheine, was doch dem Staate nicht gleichgültig sein könne, zumal nicht zu erwarten sei, daß die abgefallenen Juden katholisch würden. Auch Kafka empfahl daher, das Ministerium möge für ein neues Statut der jüdischen Kultusgemeinden Sorge tragen und zu diesem Ziele die jüdischen Rabbiner und eventuell auch Laien nach Prag zu einer Beratung und Ausarbeitung eines entsprechenden Entwurfes einberufen. Kafkas Eingabe bot dem Minister Thun den Anlaß, von Amts wegen einzuschreiten. Noch Mitte Feber forderte er den Prager Statthalter Mecsery auf, die von den Gemeinden zu wählenden Judenvertreter nach Prag zu einer Beratung einzuberufen, und erbat von Mecsery ein Gutachten darüber, ob es angezeigt sei, den Juden Beitragsleistungen für die Kreisrabbiner vorzuschreiben, wie sie solche bis zum Jahre 1848 entrichtet hatten.9 Inzwischen versuchte Thun direkte Informationen über den tatsächlichen Stand der Judengemeinden in Böhmen zu gewin- 336