Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 332)
- Language
- German
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auch das gleiche Schicksal wie das ganze Elaborat der Judenkommission vom Jahre 1850. Im Protokoll der Kommission vomFeber 1850 war zwar stimmeneinhellig festgestellt worden, das jüdische Seminar bilde einen Eckstein der gesamten jüdischen Kultusverfassung, doch könne man vorläufig nicht an seine Verwirklichung schreiten, solange nicht von vornherein die materiellen Bedingungen und Mittel sicherstehen und solange nicht die Verhandlungen über die eventuelle Errichtung eines Reichsseminars abgeschlossen seien, das in diesem Falle in Wien und nicht in Prag untergebracht werden würde. Die Kommission hält es daher noch nicht für angezeigt, offiziell über diesen unsicheren Plan zu verhandeln, und der Vorsteher der Prager Judengemeinde Landau wurde ermächtigt, die nötigen vorläufigen Informationen einzuholen, das Material zu beschaffen und sich über den Plan vorerst mit Fachleuten in anderen österreichischen Ländern ins Einvernehmen zu setzen .23 Das hieß freilich die Frage ad acta legen — bei den folgenden Verhandlungen hören wir kein Sterbenswörtchen mehr über Vorbereitungen zur Verwirklichung dieses Planes. Zwar widmete im Jahre 1850 der Raudnitzer Rabbiner Adalbert Kohn eine eigene Broschüre dem Plane, ein jüdisches Seminar für das ganze Reich zu errichten ,24 doch hatte dies keinen Einfluß auf einen erfolgreichen Verlauf der weiteren Verhandlungen. Kohn empfahl in seiner Broschüre die Errichtung eines einzigen Jüdischen Seminars für die ganze Monarchie, und zwar in Prag, wo dafür die günstigsten Bedingungen vorhanden seien: eine weltberühmte Universität, großartige Bibliotheken, historische Denkmäler, Lebensunterhalt für die jüdischen Studenten, 24 Synagogen; Prag, das bereits jetzt das Zentrum für die jüdische Studentenschaft aus Mähren, Galizien, Ungarn und anderswoher bilde und wo es auch Räume für das neue Seminar im sogen, jüdischen „Landhause" gebe, in dem bisher die jüdische Steuerdirektion untergebracht war. Das Seminar sollte durch Beiträge aus dem ganzen Reiche erhalten werden. Kohn erwartete zwar, aus verschiedenen Ländern werde man gegen die Unterbringung der Anstalt gerade in Prag protestieren, aber er begegnete den Einwänden mit dem Hinweis, solche Proteste seien unvermeidlich, falls man das Seminar nicht etwa auf dem Monde unterbringe. Im weiteren Teile seiner Arbeit skizzierte dann der Autor die Grundlinien eines Organisationsplanes für ein Seminar zur Erziehung von Rabbinern und Religionslehrern. Die Broschüre wurde in Wien erst i. J. 1856 verhandelt, doch mit negativem Ergebnis. Das Unterrichtsministerium holte zwar damals bei der Prager Statthalterei Bericht ein über die Rechtslage und den Bauzustand des Prager jüdischen „Landhauses", aber als die Antwort von einem sehr schlechten Bauzustand des Hauses sprach, wurde die Sache ad acta gelegt und damit auch der Gedanke, ein Jüdisches 330