Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 331)
- Language
- German
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Fragen nach Prag eine Konferenz der jüdischen Vertrauensmänner aus ganz Böhmen einzuberufen, doch sollte neben den Rabbinern auch das Laienelement hinreichend vertreten sein. Die jüdischen Steuerpächter sollten endlich die Liquidationsbilanz der Steuergelder vorlegen, den überflüssigen, immer noch fortlaufenden Regieauslagen ein Ende machen, da sie nach Aufhebung der Judensteuer jeder Berechtigung entbehren, die Verwalter der ehemaligen Steuer sollten pensionslos ausgehen und über die Verwendung der Steuerüberschüsse sollten ausschließlich die freigewählten jüdischen Vertrauensmänner entscheiden. In den Beschwerden dieser vier Judengemeinden kam freilich nur die Stimme der offen konservativen, orthodoxen Schicht der böhmischen Judenschaft zur Geltung, die sich vor allen Dingen in der Ablehnung des jüdischen Seminars äußerte; nichtsdestoweniger war es eine Kundgebung, an der die Behörden nicht achtlos vorübergehen konnten, da ja allgemeine Beratungen über die Regulierung des jüdischen Kultus- und Schulwesens im ganzen Reiche bevorstanden. In der Angelegenheit mußte daher vor allem die Prager Judengemeinde gehört werden. Ihr Vorsteher Landau unterbreitete erst jetzt dem Gubernium alle obenerwähnten Pläne auf Errichtung eines jüdischen Seminars seit dem Jahre 1839 unter ausführlicher Darlegung aller vorhergehenden fruchtlosen Verhandlungen in der Sache; hinsichtlich der angeblichen Prager Beratungen der jüdischen Steuerpächter und Repräsentanten erklärte er, nichts davon zu wissen und keinen Einfluß darauf zu haben.19 Ähnlich lautete auch die Antwort des Prager Rabbiners Salomon L. Rappaport, der ebenfalls erklärte, er wisse nichts von den angeblichen Beratungen, da er weder eingeladen worden sei noch teilgenommen habe, er reklamierte aber für seine Person die Beiziehung zu eventuellen künftigen Beratungen in der Frage der künftigen jüdischen Kultusgemeinden im Lande.20 Die Ablehnung einer jüdisch-theologischen Lehranstalt, von der wir aus vier konservativen Judengemeinden gehört haben, gab freilich nicht die Stimme der gesamten öffentlichen Meinung der damaligen Judenschaft im Lande wieder. Die folgenden Verhandlungen über die Reform der jüdischen Kultusverfassung in Böhmen, zu denen es noch im Jahre 1850 kam,21 zeigten im Gegenteil, daß es viele Judengemeinden gab, welche die Dringlichkeit der Errichtung eines jüdischen Seminars und somit auch der Hebung des Bildungsniveaus der Religionslehrer und vorweg der Rabbiner voll erkannten, ja manche jüdische Stimmen sprachen sich über sie, namentlich über die Kreisrabbiner, sehr abfällig aus.22 Der Plan der Errichtung einer jüdisch-theologischen Lehranstalt wurde so zu einem Bestandteil des Komplexes von Kultusfragen, der im Jahre 1850 im großen ganzen vergeblich beraten wurde, und er teilte 329