Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 329)
- Language
- German
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standen. Als es aber kurz darauf wirklich zur ersehnten Aufhebung der drückenden Judensteuer kam, da war die Lage für eine Verwirklichung des Planes Landaus keineswegs günstiger: wiederum war es der damals mit aller Schärfe hervorbrechende Haß namentlich der Landjudenschaft gegen die jüdischen Steuerpächter, der dieses Projekt neuerdings vereitelte; die weiteren Verhandlungen darüber wurden denn mit Hofdekret vom 26. Oktober 1842 eingestellt.18 In den folgenden Jahren hören wir daher nichts von dem Plane eines jüdischen Seminars und neuerliche Verhandlungen darüber wurden erst Ende 1849 eingeleitet, also unter wesentlich veränderten Verhältnissen hinsichtlich der Rechtslage der Judenschaft in den österreichischen Ländern. Die verhaßte Judensteuer war gefallen, die oktroyierte Verfassung hatte die grundsätzliche Gleichberechtigung der Juden mit der übrigen Bevölkerung des Reiches ausgesprochen und Verhandlungen über die Regulierung der jüdischen Religionsgemeinden und über die Reform der jüdischen Schul- und Religionsverfassung in allen österreichischen Ländern waren im Zuge .14 Und in dieser Stimmung brachte der jüdische Rabbiner Simon Hainsfurth aus Amonsgrün im Elbogner Kreise wohl im August 1849 beim Ministerium des Innern seinen Vorschlag auf Errichtung einer jüdischen Fakultät und eines jüdischen Seminars in Prag ein. Der Entwurf selbst ist in den Akten nicht erhalten; die Prager Judengemeinde aber sorgte dafür, daß dieses „Machwerk" Hainsfurths, das nach Landaus Urteil weder nach Form noch Inhalt zur Veröffentlichung geeignet war, ohne scharfe Kritik hervorzurufen, nicht einmal in der Tagespresse erschien .15 Trotz dieser vermutlich mindern Qualität, zu deren Beurteilung uns heute objektive Anhaltspunkte fehlen, gab jedoch Hainsfurths Entwurf den Anstoß zur Wiederaufnahme der Amtshandlung über den in Vergessenheit geratenen Plan, in Prag eine jüdische Rabbinerschule zu errichten. Das Gubernium schickte im September 1849 diesen Entwurf dem Prager Bürgermeister mit dem Ersuchen, darüber das Gutachten der Prager Oberjuristen als auch der Repräsentanten der Landjudenschaft einzuholen; gleichzeitig wurde der Bürgermeister aufgefordert, Bericht zu erstatten und einen ausführlichen Plan zur Errichtung einer jüdisch-theologischen Lehranstalt vorzulegen, mit besonderer Rücksicht auf die finanzielle Sicherstellung der neuen Anstalt.16 Aber schon die bloße Rückfrage bei der Landjudenschaft zeigte deutlich, daß die finanzielle Seite des Projektes wieder gleich von Anfang an zum Stein des Anstoßes werden würde. Der Repräsentant der Landjuden Markus Mendl aus Böhmisch-Brod antwortete auf die amtliche Anfrage mit der Gegenfrage, welcher Anteil von den oberwähnten, bei der jüdischen Domestikalkasse erliegenden „Steuerabschnittsresten" auf 327