Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 328)
- Language
- German
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entwurf aus, der in den Akten nicht vorliegt. Die hebräisch abgefaßten Entwürfe des R. Ephreim Low Teweles und des zweiten Oberjuristen Samuel Freund wurden von der Prager Judengemeinde dem Gubernium überhaupt nicht vorgelegt.10 Die Prager Judengemeinde sandte am 31. Dezember 1841 diese Entwürfe den Vertretern der Landjudenschaft zur Begutachtung mit dem Ersuchen um Äußerung über das „Regolamento" der Paduaner jüdisch-theologischen Lehranstalt und forderte sie gleichzeitig auf, unter der Landjudenschaft eine vorläufige Subskription zugunsten der Errichtung des jüdischen Seminars einzuleiten .11 Die Zustimmung der Landjudenschaft zum Plane einer jüdischtheologischen Lehranstalt war die unerläßliche Voraussetzung ihrer Realisierung. Wir haben bereits auf die protokollarische Zustimmung vom 3. August 1841 verwiesen, die sich jedoch von selbst aufhob, da die Bedingung, für diese Anstalt die jüdischen Steuergelder zu verwenden, ausblieb und sich die Notwendigkeit ergab, eine allgemeine freiwillige Sammlung unter der gesamten Landesjudenschaft zu veranstalten. Die Landjuden entzogen sich sonst in der Regel keineswegs freiwilligen Beitragsleistungen für Erfordernisse der Religionsverwaltung ihrer Heimatgemeinden, allgemeinen Sammlungen mit teilweise obligatorischem Charakter gegenüber aber waren sie doch sehr empfindlich. Die Hauptursache dieser Zurückhaltung war die unverhohlene und starke Abneigung der Landjuden gegen die Gesellschaft jener Juden, welche die äußerst drückende Judensteuer in Pacht hatten, die unausgesetzt den Gegenstand begründeter Beschwerden und Gesuche um ihre Beseitigung bildete. Als daher am 4. Juli 1841 mit Allerhöchster Entscheidung den böhmischen Juden für ihr geplantes Seminar die Paduaner jüdisch-theologische Lehranstalt als Muster empfohlen wurde, trat bei den Juden Böhmens ein völliger Meinungsumschwung ein, vor allem bei der Landjudenschaft. Die böhmischen Juden argumentierten so: habe man es darauf abgesehen, die Juden in Böhmen hinsichtlich der Rabbinerschule den Juden in der Lombardei und in Venezien gleichzustellen, so solle man diese Gleichheit auch auf dem Gebiete der drückenden, demoralisierenden Judensteuer zum Ausdruck bringen und diese bedeutsame Scheidewand beseitigen, dieses Schandmal eines finsteren, unchristlichen Jahrhunderts, von dem es in der Lombardei und in Venezien nicht die Spur gebe. Die böhmischen Juden forderten daher mit Nachdruck die Aufhebung dieser Steuer mit der Versicherung, erst dann ihre finanziellen Mittel der Errichtung einer jüdisch-theologischen Lehranstalt dienstbar machen zu können.12 Damit war das alte Projekt wiederum begraben, da für dessen Verwirklichung jetzt überhaupt keine finanziellen Mittel zur Verfügung 326