Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 323)
- Language
- German
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dings nach der Anschauung der beiden Referenten vor allem Dogmatik pflegen und konnte darum nicht als Ziel und Höhepunkt des bisherigen Religionsunterrichtes gelten. Über das Programm der Fakultät konnten sich die Referenten nicht äußern, da sie ihren Unterrichtsplan nicht kannten; dieser sollte nach ihrer Meinung noch vor Veröffentlichung eines bezüglichen Aufrufes vorgelegt werden. Indem nun das erzbischöfliche Konsistorium dieses Gutachten dem Gubernium vorlegte, erklärte es sich für inkompetent, über dieses jüdische Unterrichtssystem zu urteilen, schon deshalb, da es sich um eine einfache Lehranstalt, nicht um ein Aggregat der Universität handle. In gleichem Sinne war auch die Antwort der theologischen Studiendirektion gehalten; auch hierin wurde zuerst die Vorlage des Unterrichtsplanes, bzw. der Lehrbücher des zukünftigen jüdischen Seminars gefordert. Der Magistrat erhielt daher Ende Jänner 1839 vom Gubernium den Auftrag, den Lehrplan samt einem Vorschlag der geeigneten Lehrbücher von Landau einzuholen.4 Dieser hoffnungsvolle Auftakt der Verhandlungen enttäuschte jedoch in der Folge die Erwartungen, welche die günstigen Relationen des Prager Magistrats geweckt hatten. Neben Schwierigkeiten finanzieller Natur, über die noch zu sprechen sein wird, war es wahrscheinlich die alte Abneigung der Prager orthodoxen Rabbiner gegen die ihre Stellung und ihren Einfluß bedrohenden Neuerungen, was die Verwirklichung des Planes Landaus gleich in den Anfängen vereitelte. Die Aufforderung des Magistrats an Landau, den Entwurf eines Statuts für die jüdische Religionslehranstalt vorzulegen, verlief erfolglos und geriet überhaupt in Vergessenheit, als von Seiten der Prager Judenschaft nicht einmal der Initiator der ganzen Aktion, Landau, genug Interesse am Fortgange der amtlichen Behandlung dieser Sache an den Tag legte, wahrscheinlich weil er innere Schwierigkeiten in der Judengemeinde befürchtete. Nach seiner Aussage vom Jahre 1850, auf die wir noch zurückkommen, hätte er zwar noch im Jahre 1835 einen ausführlichen Lehrplan für die projektierte Anstalt ausgearbeitet, auf den wir noch des näheren eingehen werden, hätte ihn aber aus unbekannten Gründen nicht zur amtlichen Behandlung vorgelegt. Es vergingen fast zwei Jahre, bevor der Plan eines jüdischen Seminars neuerdings in Verhandlung gezogen wurde. Gleich anfangs zeigte sich jedoch, daß vor allen Dingen die Frage der finanziellen Deckung das Projekt in seinen Grundlagen bedrohe. Außerdem erfuhr die Angelegenheit auch dadurch eine Komplikation, daß anfangs Juli 1841 der Status einer ähnlichen jüdischen Lehranstalt zu Padua von Wien nach Prag gelangte, mit der Empfehlung, sich dessen womöglich auch für den Plan des Prager Seminars zu bedienen. Erst jetzt entschloß sich Landau, sein Projekt zu fördern und vor allem eine hinreichende flnan- 321