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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1935-01-01 · 7 (1935) · page 322

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
7 (1935)
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 322)
Language
German
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IRI
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während eine Fakultät in Deutschland sich jeder Kontrolle entzöge. Müller empfahl daher die Annahme des Landauerschen Antrags und versprach sich von dessen Realisierung einen günstigen Einfluß auf die gesamte Judenschaft des Landes. Erst jetzt kam Chotek auf Landaus Antrag zurück, für den er sich anfangs höchstwahrscheinlich nicht erwärmen konnte, und erbat sich Anfangs Oktober von Müller dringenden Bescheid, was für eine Aufnahme Landaus Antrag auf Errichtung einer jüdischen Fakultät in Böhmen unter der Prager Judenschaft gefunden habe. Der Bescheid klang günstig. Landaus Antrag hätte in Prag ein lebhaftes, sympathisches Echo gefunden, ja selbst die orthodoxen Oberjuristen hätten sich ihm angeschlossen. Müller hoffte, die rechte Stimmung würde sich erst nach Veröffentlichung des öffentlichen Aufrufes zeigen, und empfahl, das Anerbieten Landaus anzunehmen, zumal er den Ruf eines guten Schriftstellers genieße. Der gedruckte Aufruf zur Subskription sollte nach dem Vorschlage Müllers an die Juden in Österreich und im Auslande versandt werden, allerdings mit dem Bemerken, an eine Verwirklichung der Lehranstalt könne erst bei günstigem Ergebnis der Subskription geschritten werden. Der Antrag Landaus war noch nicht offiziell bekannt und trug schon Früchte. Der Prager jüdische Inkolatswerber Adam Günzburg widmete für die künftige jüdische Fakultät 250 fl.; der Magistrat nahm die Spende jedoch nicht an und so wurde der Betrag zur Unterstützung blinder Kinder verwendet. Der Plan auf Errichtung einer jüdisch-theologischen Lehranstalt trat jedoch damals auch in das Stadium amtlicher Behandlung, und da war es vor allem das erzbischöfliche Konsistorium, dem ein erstes Wort in dieser Frage zukam. Wie üblich, holte das Konsistorium ein Fachgutachten ein, u. zw. von dem Direktor der Prager jüdischen Hauptschule Johann Vanicek, der seinerseits den unvoreingenommenen Kenner jüdischer Theologie Ernst Wehli zu Rate zog. Ihr gemeinsames Gutachten vom Dezember 1838 konnte sich jedoch nur auf die grundsätzlichen Fragen vom rein pädagogischen Standpunkt einlassen. Zunächst wurde auf die beiden Hauptströmungen in der Judenschaft seit Mendelssohn hingewiesen: die eine ist bestrebt, den Kern der Religion, die reine Glaubenslehre zu erhalten, und erblickt ihre Daseinsberechtigung nur in einem frommen Leben und in der tätigen Nächstenliebe, wozu die Dogmatik nur ein Mittel zum Zweck ist (in diesem fortschrittlichen Geiste wurde damals auch die Prager Haupt schule geleitet); die andere Strömung, konservativ und dogmatisch, sieht nur in der genauen Erfüllung der religiösen Vorschriften den obersten Daseinszweck und das höchste Gut. Die jüdischtheologische Fakultät, berufen, die Rabbiner auszubilden, sollte aller- 320

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