Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1935-01-01 · 7 (1935) · page 321

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
7 (1935)
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 321)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2644300-2644313--3209-2647556
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

gescheitert war; er versprach sobald als möglich den Antrag auf Errichtung einer jüdisch-theologischen Fakultät in Prag für die Juden aus Böhmen, Mähren, Galizien und Ungarn vorzubereiten und vorzulegen, um von der Unterstützung des Philippsonschen Planes abzulenken; er machte sich schließlich erbötig, den betreffenden Aufruf abzufassen und auf eigene Kosten drucken zu lassen. Die Verzögerung entschuldigte Landau durch die Vorbereitungen zur Errichtung einer jüdischen Gewerbeschule, die dann aus Mangel an Geldmitteln nicht zustandekam. Über Hombergs Antrag vom Jahre 1811 vermochten wir nichts Näheres in Erfahrung zu bringen. Es scheint, als hätte da Landau die Vorschläge der jüdischen Religionslehrer Peter Beer und Herz Homberg vom Jahre 1820 im Sinne gehabt. Beide verwiesen damals nachdrücklich auf das tiefe Bildungsniveau und den schädlichen Einfluß des Großteils der damaligen Rabbiner und empfahlen in Prag eine eigene mosaischtheologische Lehranstalt zur Heranbildung der zukünftigen Rabbiner und Religionslehrer einzurichten. Diese beiden Anträge waren jedoch damals einerseits an dem Widerstande der Prager Judenältesten und Juristen Flekeles und Landau gescheitert, anderseits an der ablehnenden Haltung des erzbischöflichen Konsistoriums, dessen Referent, der Schuloberaufseher Caroli, die Juden für die Realisierung dieses Gedankens noch nicht für reif genug hielt.3 Das Philippsonsche Flugblatt war indessen auch an zahlreiche jüdische Privatadressen in Prag gelangt. Sobald Chotek auf dasselbe aufmerksam geworden war, trug er sofort dem Prager Bürgermeister auf, die Prager Judengemeinde auf die Zwecklosigkeit dieser Aktion aufmerksam zu machen, zumal da angeblich schon seit dem Jahre 1837 Verhandlungen schwebten, eine jüdisch-theologische Fakultät für die österreichischen Länder an der Hochschule zu Wien zu errichten. Diese Information beruhte jedoch auf irgendeinem Irrtum, denn auf eine Anfrage vom Mai 1838, wie weit die angeblichen Verhandlungen über die jüdische Fakultät schon gediehen seien, erhielt das Prager Gubernium Ende August den Bescheid der Niederösterreichischen Regierung, von solchen Verhandlungen sei in Wien weder der Universität noch der Judengemeinde irgend etwas bekannt. Bürgermeister Müller begrüßte den Gedanken Landaus auf Errichtung einer jüdischen Fakultät. Er sah darin das einzige Mittel, die Judenschaft nach und nach von den alten talmudischen Überlebseln abzuwenden, ihre religiöse Bildung zu heben, und einen geeigneten Ausweg, Zeichnungen böhmischer Juden für die Lehranstalt im Reiche zu vereiteln. In der Errichtung einer theologischen Fakultät in Prag sah Müller auch den Vorteil, daß die Regierung auf diese Weise die Möglichkeit gewänne, die Vorbildung der künftigen Rabbiner zu kontrollieren, 319

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.