Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 320)
- Language
- German
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Exegese, Homiletik u. dgl. vorgetragen werden und dem Voranschlage nach mußten zu ihrer Errichtung mindestens 100.000 Taler zusammengebracht werden. Erst auf Grund des Erfolges der Subskription sollte das Statut ausgearbeitet, das Lehrerkollegium zusammengestellt und die Schritte zwecks Erlangung der behördlichen Bewilligung zur Errichtung der Lehranstalt eingeleitet werden. Das Flugblatt wurde an alle Judengemeinden in Deutschland versandt und Anfangs November 1837 wandte sich Philippson brieflich auch an den Vorsteher der Prager Judengemeinde M. J. Landau mit dem Ersuchen, die Aktion auch in Prag zu propagieren. Landau kam dadurch einigermaßen in Verlegenheit und konnte Philippson nur antworten, die österreichischen Juden dürften zu ausländischen Sammlungen nicht beitragen; sie würden ihnen übrigens keinen Vorteil bringen, da die Absolvierung einer fremden jüdischen Fakultät nach den hier geltenden Bestimmungen zu einer Verwendung in den österreichischen Ländern nicht berechtigen würde. Die jüdische Solidarität war es vermutlich, die Landau davon zurückhielt, diese Aktion dem Gubernium anzuzeigen, wie er als Vorsteher der Prager Judengemeinde nach den Vorschriften verpflichtet gewesen wäre. Philippsons Aufruf war jedoch dem Oberstburggrafen Grafen Chotek nicht entgangen und dieser machte am 21. März 1838 den Polizeiminister Sedlnicky darauf aufmerksam, welcher davon übrigens schon Kenntnis hatte. Sedlnicky billigte die vorläufigen Verfügungen Choteks in dieser Sache und trug ihm auf, der Aktion ein scharfes Augenmerk zu schenken. Die Postämter und das Prager Zensuramt sollten alle diese Aufrufe zurückhalten und konfiszieren und die Prager Judengemeinde sollte auf die Zwecklosigkeit dieser Aktion hingewiesen und vor der Teilnahme an der Subskription gewarnt werden. Der Prager Bürgermeister führte diesen Auftrag recht formal aus. Er ließ die Oberjuristen und Vorsteher der Judengemeinde persönlich kommen und diese versicherten ihm nach Entgegennahme der amtlichen Warnung, sie würden alles daransetzen, um die Absendung von Beiträgen ins Ausland zu verhindern. Der Vorsteher der Judengemeinde Landau sah sich erst jetzt gezwungen einzugestehen, ihm sei der Philippsonsche Aufruf auch zugegangen, und er versuchte den unangenehmen Eindruck dieser Verabsäumung seiner Amtspflicht durch den Antrag auf Errichtung einer eigenen theologischen Fakultät in Prag abzuschwächen, wodurch der Einfluß des Aufrufes aus dem Reiche paralysiert werden sollte. In seinem Schreiben vom 26. März 1838 an das Präsidium des Prager Magistrates erwähnte er eingangs die Anregung des Schulrats Homberg vom Jahre 1811 zur Errichtung einer ähnlichen jüdisch-theologischen Lehranstalt, die jedoch am Widerstand der damaligen Judenältesten und Oberjuristen 318