Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 318)
- Language
- German
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Bedrückung umschlagen und Fanatismus wecken könnten. Der Referent war überzeugt, auch die indirekten, damals angewandten Mittel, wie z. B. erweiterte Schulbildung, philosophisches Pflichtstudium für die Rabbiner u. dgl., würden dieses Übel nicht völlig beseitigen, namentlich deshalb, weil die Juden zwar äußerlich diesen amtlichen Vorschriften nachkommen, innerlich jedoch bei ihrer separatistischen Gesinnung verharren. Trotz dieser skeptischen Anschauung von der Möglichkeit, die jüdischen Verhältnisse zu bessern, machte jedoch der Referent den Polizeiminister aufmerksam, daß die von Fischer vorgelegten Daten bedeutenden Wert für die Kenntnis jüdischen Wesens hätten. Fischers Elaborat erlangte zwar nicht unmittelbar praktische Bedeutung, es trug jedoch sicherlich zur besseren Orientierung der Staatsbehörden bei, die sich in der Folgezeit noch sehr oft mit Kulturfragen der Juden, ihrer Rechtslage und mit ihrem Verhältnis zum Staate befassen mußten. IL DIE VERSUCHE ZUR ERRICHTUNG EINES JÜDISCHEN SEMINARS IN PRAG IN DER ERSTEN HÄLFTE DES NEUNZEHNTEN JAHRHUNDERTS. Das jüdische Systemalpatent vom 3. August 1797 machte den ersten Versuch, die Vorbildung der jüdischen Rabbiner in Böhmen zu regeln. Es schrieb für sie neben der erbländischen Zuständigkeit, der Kenntnis des deutschen Schulunterrichtes und bürgerlicher Unbescholtenheit auch die Zurüeklegung der philosophischen Studien an einer inländischen Universität vor. Die Erfahrungen der Folgezeit zeigten jedoch, daß es nicht so leicht sein werde, die Juden zur Erfüllung dieser neuen Vorschriften anzuhalten, die den bisherigen Einfluß der Prager Rabbiner erheblich bedrohten. Und da die Prager landesfürstUchen Behörden schärferen Eingriffen in die religiösen Angelegenheiten der Prager Judenschaft aus dem Wege gingen, wurde auf die Erfüllung der Patentvorschriften keineswegs gedrungen und so gab es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Böhmen noch wenig Rabbiner, deren philosophische Bildung den Regierungsabsichten entsprochen hätte. Die Hauptquelle der rabbinischen Weisheit blieb daher stets nur der Talmud und dessen Kommentare und die Vorbildung der künftigen Rabbiner entzog sich 316