Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 317)
- Language
- German
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mittels Hofdekret angeordnet wurde, daß unter der Strafe von 100 Dukaten in Prag künftig keine Talmuduniversität zu dulden sei, kehrten sich die Rabbiner nicht daran und die jüdischen Studierenden (bocherim) werden dem Verbote zum Trotz weiter im Talmud von unbestallten Rabbinern und anderen Personen ohne Rabbinertitel unterrichtet.13 Die aufgeklärteren Rabbiner, die dünn gesät sind, sind gegen sie machtlos. Der geistliche Konseß der Juden zu Prag (besdin) besteht nun aus drei Oberjuristen. Der erste unter ihnen, Rabbi Eleazar Flekeles, ist ein bekannter hervorragender und besonnener Gelehrter, aber sein Kollege, der zweite Oberjurist, Rabbi Samuel Landau, ist grundsätzlich in Opposition und hat die jüdische Gasse auf seiner Seite, während hinter Flekeles nur die jüdischen Gelehrten und die Honoratioren stehen. Eher ist ein Einvernehmen zwischen Feuer und Wasser zu erzielen als zwischen diesen beiden obersten Repräsentanten der Prager Judengemeinde. Der dritte Oberjurist, ein Ignorant, ist das fünfte Rad am Wagen. Wie kann also unter solchen Umständen von jüdischer Aufklärung die Rede sein? Wäre jedoch Flekeles Landesrabbiner, wie dies in Mähren der Fall ist, und hätte er zu Kollegen würdige und fähige Männer, wie die Rabbiner Daniel Joel Rosenbaum, Samuel Kauder und andere, und gäbe es auch in der Provinz bessere Rabbiner, wie zum Beispiel der Kreisrabbiner Isaak Spitz, David Levit und der Jenikauer Rabbiner Samuel Brod, so ginge es sicher besser und das kulturelle Niveau der Judenschaft würde sich heben. Noch jüngst beklagten sich bei Fischer die Herausgeber der Publikationen „Gallerie der Lecture" und „Historisches Taschenbuch für das Jahr 1814", die beide ganz deutsch geschrieben und nur mit hebräischen Lettern gedruckt sind, sie hätten nur wenige Exemplare verkauft, da es eben keine Talmudbücher sind. Am Schlüsse seines Elaborates, das neben ungeschminkter freundschaftlicher Sympathie für den Rabbiner Flekeles14 auch im ganzen eine liberale Einstellung seines Autors zeigt, stellte Fischer dem Ermessen des Statthaltereipräsidiums anheim, wie diese Verhältnisse zum bessern gewendet werden könnten. Das Präsidium konnte allerdings inzwischen den Inhalt des Fischerschen Memorandums lediglich einfach zur Kenntnis nehmen und es dem Präsidenten der obersten Polizeistelle Hager vorlegen. Alle diese Beschwerden waren dem Präsidium schon lange bekannt, wie dies übrigens der Referent Rat Twrdy in dem Bericht des Präsidiums hervorhob. Gerade deshalb, da alle diese Mängel ihren Ursprung in der jüdischen Religion, in der ursprünglichen Verfassung des jüdischen Volkes haben und in dessen scharfer Absonderung von allen Völkern, unter denen die Juden leben, hielt der Referent die Anwendung von strengen Maßnahmen gegen sie nicht für angezeigt, da sie leicht in 315