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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1935-01-01 · 7 (1935) · page 315

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
7 (1935)
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 315)
Language
German
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IRI
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bidschow und später in Prag,12 ein Buch über die Geschichte der Juden von der Erschaffung der Welt bis zur Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft, im Jahre 1802 gab die „Gesellschaft junger Hebräer" sieben Hefte einer jüdischen Zeitschrift in deutscher Sprache zur Bildung der jüdischen Jugend heraus, im gleichen Jahre Simson Hamburger und Isaak Mahler ein hebräisch-deutsches Wörterbuch, Joel Brill publizierte ein Buch über die Grundzüge der hebräischen Sprache, Isaak Hirsch übersetzte im Jahre 1805 Rambams Logik, Jakob Simon Wehle ließ im Jahre 1806 eine zweibändige deutsche Übersetzung der zwölf kleineren Propheten erscheinen und im gleichen Jahre gab Isaak Mahler das Buch der Psalmen mit der deutschen Übersetzung des Moses Mendelssohn heraus. Alle diese erfreulichen Erscheinungen waren jedoch leider nur vorübergehend und Fischer kam bald den Ursachen dieser auffallenden Untätigkeit auf die Spur. Er sprach mit einem angesehenen Prager Juden über Beers Jüdische Geschichte, die damals in einer Berliner jüdischen Monatsschrift eine günstige Besprechung erfahren hatte, und da erklärte jener Jude, er habe allen seinen Familienmitgliedern untersagt, dieses „ketzerische" Buch zu lesen. Beers schriftstellerische Tätigkeit stieß überhaupt auf viele Hindernisse. Als Fischer einige junge Leute fragte, weshalb sie die jüdisch-deutsche Monatsschrift nicht fortsetzen, entgegneten sie, sie würden von den Rabbaniten und Talmudisten bedroht, müßten die Herausgabe einstellen, falls sie sich nicht der unaufhörlichen Verfolgung von ihrer Seite aussetzen wollten. Auch Wehle hatte mit den Rabbaniten und Talmudisten unerquickliche Auseinandersetzungen wegen der Herausgabe der zwölf kleinen Propheten und er gab dann in der Folge lieber den Talmud und rabbinische Schriften heraus, um sie nicht zu reizen. Im Juni 1807 erhielt Fischer von einem bekannten hebräischen Schriftsteller, dem jüngst (i. J. 1813) verstorbenen Rabbi Baruch (Benedikt) Jaiteles,12» die vertrauliche Mitteilung, er werde sich an der Prager Universität im Sinne des § 3 des jüdischen Systemalpatentes vom 3. August 1797 der Prüfung aus Weltweisheit unterziehen; er tat es aber nicht, wohl deshalb, um nicht ein Beispiel zu geben und die Regierung darauf bei Anstellung von Rabbinern aufmerksam zu machen. Im Feber 1808 beklagte sich Fischer gegenüber ein junger fähiger Jude, er müsse die von Christen entlehnten deutschen Klassiker im geheimen außerhalb der Stadt lesen, da sie von den Rabbinern und Talmudisten für ketzerisch angesehen würden (siphre minim), und er wage daher auch nicht, seine Artikel in Druck herauszugeben, um nicht gleichfalls der Ketzerei geziehen zu werden. Als weiteren Beweis solcher Zustände führte Fischer einen charakteristischen Fall aus seiner eigenen Praxis an. Vor vielen Jahren war er mit einem alten Juden 313

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