Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 313)
- Language
- German
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einigen Bemerkungen auf die Erklärung vermeintlich auf die Christen gemünzter Ausdrücke zurück; am Beispiel der Bezeichnung „akum" zeigt er, daß der Pester Zensor eigentlich das Hebräische nicht gründlich beherrsche. Zuguterletzt berührte Fischer Albers Andeutung bezüglich des verbotenen Buches „En Jacob", in dem angeblich Christus vorkomme, ferner die Behauptung, daß noch gegenwärtig die Christen von den Juden zu Ostern verflucht würden, und schließlich, daß Alber diese Angaben von getauften Juden habe. Fischer stellt nicht in Abrede, daß die Juden früher, namentlich im Buche „Machsor", absurde Bezeichnungen für die Christen anwendeten, aber er betonte, daß sich in den zu Prag gedruckten Büchern solche Ausfälle, die die Juden aus der jahrhundertelangen Unterdrückung ihres Volkes erklären, nicht vorfinden. Den getauften Juden sollte der Pester Zensor nicht alles glauben — er müßte dann auch die Fabeln vom Christenblute glauben oder davon, daß sie auf das für die Christen bestimmte Fleisch pissen und daß sie die Christen mit den Worten „Sched wilkumen" (der Teufel sei willkommen) begrüßen, und ähnlichen Unsinn. Es ist bekannt, daß viele getaufte Juden im geheimen auch weiterhin Juden bleiben und daher keinen Glauben verdienen. P. Tirsch, der sehr viele Juden getauft hatte, wollte mit ihnen — bis auf zwei Ausnahmen — nichts mehr zu tun haben. Falls der Pester Zensor erfahren wolle, wie weit der Haß der getauften Juden gegen ihre ehemaligen Glaubensgenossen führe, so solle er das Buch von Johann Wülfer lesen: „Theriaca judaica ad examen revocata", erschienen zu Nürnberg 1681. Albers Anzeige lasse keine andere Erklärung zu — schließt Fischer sein Gutachten —, als daß P. Joh. Nep. Alber, der Priester, Professor des Hebräischen und der Hermeneutik des Alten Testamentes und Revisor der hebräischen Bücher in Ungarn, nur geringe oder gar keine Kenntnisse auf dem Gebiete der rabbinischen und Talmudsprache besitze und sich wohl von einem getauften Juden beraten lasse, der stets neue und längst widerlegte Verleumdungen erdenken werde.9 Fischers Gutachten klang also entschieden gegen die Anschuldigungen des Pester geistlichen Zensors aus und der Laiengeist des Josefinismus von ehedem war unverkennbar. Doch das alte Mißtrauen der landesfürstlichen Behörden in der Judenfrage und in der Auffassung ihrer Stellung zum christlichen Staate vermochte es nicht zu beseitigen. Der Präsidialreferent Twrdy, der den Bericht des Präsidiums an die oberste Polizeistelle abfaßte und der manchmal in Judenfragen einen sehr objektiven Standpunkt einzunehmen verstand, unterließ nicht darauf hinzuweisen, dem Fischerschen Gutachten zum Trotz und ungeachtet aller Beteuerungen der Juden sei das kunstvolle Gespinst und die verfänglichen Wendungen in den jüdischen Büchern nicht zu verkennen und es sei nötig, auf die Juden stetig ein wachsames Auge zu haben, da 311