Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1935-01-01 · 7 (1935) · page 310

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
7 (1935)
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 310)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2644300-2644313--3198-2647545
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Salman, Sohn des Rabbiners Gumpel Emerich, Moises Günzburg Spira, Josef Lieberies, Israel Sohn des Rabbiners Simon Spira Fränkel, Jakob Isaak Austerlitz, Natan Epstein, Isaak Katz Poppers, Hirsch Elbogen, Bezallel, Sohn des Rabbiners Hirsch Sobotka und Salomon Jeiteles, damals Vorzensor der jüdischen Bücher und eigentlicher Autor dieser Erklärung. Das Memorandum belegte durch Zitate verschiedener jüdischer Autoren, daß mit den erwähnten Ausdrücken nicht die Christen gemeint sind, und betonte, daß die Juden nur den Frieden wünschen und daß ihnen ihre Religion gebiete, nur Gutes zu tun. Die Prager Judengemeinde ließ den Inhalt dieses Memorandums auch in allen Prager Synagogen mit der Erklärung kundmachen, sie wollten hier leben, bis sie glorreich zu Sion aufsteigen, wohin der Erlöser kommen werde. Das Prager Konsistorium genehmigte den Wortlaut dieser jüdischen Erklärung und der Zensor P. Leopold Tirsch S. J. schloß ihr noch die schriftliche Bewilligung bei, daß diese Auslegung zur Information in alle jüdischen Bücher in Böhmen eingelegt werden dürfe. Zu diesem Zwecke wurde von besagter Auslegung ein noch knapperer Auszug hergestellt, des Inhaltes, daß unter den angeführten Bezeichnungen nicht die Christen zu verstehen sind, für die die Juden im Gegenteil beten. Diese gedruckte Erklärung wurde dann auf die Titelblätter sämtlicher von der Jesuitenzensur bewilligten jüdischen Bücher eingeklebt; bis zum Jahre 1795 wurden damit nicht bloß über 39.484 jüdische Bücher in Böhmen versehen, sondern auch die Manuskripte hebräischer Bücher noch vor ihrer Vorlage zur Zensur. In gleichem Sinne widerlegten die erwähnte Anschuldigung in ihren Arbeiten auch zahlreiche andere Prager jüdische Autoren, so z. B. der Rabbiner Eleazar Flekeles in seinen Büchern „Olas chodesch" vom Jahre 1785, „Olas Zibbur" vom Jahre 1787, „Schailos vetschuvos" vom Jahre 1808, der Rabbiner Baruch Jeiteles im Buche „Taam hammelech" (Brünn, 1802) u. v. a. m. Flekeles Erklärung aus dem Buche „Schailos vetschuvos" wurde von dem Prager Juden Markus Fischer übersetzt und im Jahre 1813 gedruckt herausgegeben unter dem Titel „Geist des Judenthums".7 Sollte sich der Pester Zensor durch alldas nicht von der Unrichtigkeit seiner Meinung überzeugen lassen — schließt Fischer ironisch diesen ersten Teil seines Gutachtens —, so müßte er ein neuer Polyan sein, der hartnäckig an der Meinung festhielt, daß die Sonne in Wirklichkeit nicht größer sei als ein Teller, wie sie uns am Himmel erscheint, oder ein neuer Anaxagoras, der den Schnee für schwarz hielt. Nach diesem Versuch, den ersten Punkt der Alberschen Anschuldigung zu widerlegen, unterzog Fischer auch die weitere Behauptung des Pester Zensors einer ablehnenden Kritik, daß nämlich die hebräischen Bücher anstößige Stellen enthielten, wo Diebstahl, Betrug, Mord, 308

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.