Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 309)
- Language
- German
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gemünzt, sie bemühten sich daher mit Unterstützung des erzbischöflichen Konsistoriums, welches auch für die hebräischen Bücher die ordentliche Zensurbehörde darstellte, mit allen Mitteln der jüdischen Bücher habhaft zu werden, indem sie die Juden in Prag und auf dem Lande in ihren Häusern mit Haussuchungen überrumpelten, um dann die Bücher zu verbrennen und zu verstümmeln. So war es lange Jahre gegangen und die Juden hatten auf diese Weise viele tausende ihrer hebräischen Bücher eingebüßt. Die Angst der Juden vor dieser Zensurpraxis war so groß, daß sich der neue Prager Oberrabbiner David Oppenheim gar nicht getraute, seine große Bibliothek aus Deutschland nach Prag zu schaffen .6 Die Juden setzten sich wohl zur Wehr, indem sie sich an den Hof und an die landesfürstlichen Behörden um Schutz wandten, doch die Jesuiten als Zensoren erlahmten nicht in ihrem Kampfe gegen die hebräischen Bücher. Die Beschwerden verfehlten ihr Ziel — die Juden vermochten nur selten mit ihrem Einspruch durchzudringen. Die heftigen Kämpfe fanden erst im Jahre 1767 ein Ende, als die geistlichen und weltlichen Vorsteher der Prager Judenschaft beim Konsistorium schriftlichen Protest einlegten, den Fischer seinem Gutachten in deutscher Übersetzung beischloß. Der erste Teil der Protestschrift bestand eigentlich aus der Predigt des hervorragenden Prager Rabbiners Scholem Jeiteles, der schon vorher in seinen Büchern versucht hatte, ähnliche Anschuldigungen gegen die Juden zu widerlegen. Jeiteles erklärte in der erwähnten Predigt die tatsächliche Bedeutung der verdächtigten Wörter, die angeblich zur Bezeichnung der Christen dienen sollten. So bedeutet „akum" Sternendiener, also Götzendiener, „gojim" sind die Heiden, Barbaren, „nochrim" die Fremden, „cusim" Samariter, „mumor" ist ein gebürtiger Jude, der nicht nach seinem Glauben lebt, „karaer" sind die Saduzäer, „mossur" ist ein in seinem Herzen schwankender, lügenhafter, falscher Mensch, „apikoros" ist ein Gottesleugner, „min" ein Ketzer usw. Jeiteles wies nach, daß mit allen diesen Ausdrücken alte Völker, Abtrünnige, Epikureer und keinesfalls die Christen gemeint seien, denen nach seinem Wort die Juden nur alles Gute wünschten, da sie von ihnen gut behandelt würden. Bezüglich der angeblich anstößigen Stellen des Talmuds machte Jeiteles aufmerksam, daß es nicht angehe, den Talmud wörtlich zu nehmen, da dessen unklare Fassung mit ihren zahlreichen Vergleichen zunächst für die Gelehrten berechnet sei, so daß zum Verständnis des Buches unbedingt ein ausführlicher Kommentar erforderlich sei. Diese Auslegung und Verteidigung von Jeiteles bildete die Unterlage des Memorandums der jüdischen Gemeinde vom Jahre 1767, das von hervorragenden Mitgliedern der Prager Judengemeinde unterzeichnet war: Ezechiel Landau, Majer Sohn des Rabbiners Fischel Bunzlau, Judas Low Kassowitz, Salamon- 307