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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1935-01-01 · 7 (1935) · page 308

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
7 (1935)
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 308)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644313--3196-2647543
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Der Pester Zensor erhob namentlich Beschwerde dagegen, daß unter verschiedenen Schandnamen, z. B. „akum", „gojim", „nochrim" u. ä. in den jüdischen Büchern die Christen gemeint seien, ferner dagegen, daß in Österreich hebräische Bücher gedruckt werden, die absurde Stellen über die Zulässigkeit von Diebstahl, Betrug, Mord, Meineid u. dgl. enthalten; schließlich führte Alber an, die Quelle aller dieser moralisch anstößigen Anschauungen sei im hebräischen Talmud zu suchen. Die Information des Pester Zensors mußte schlechterdings behördlich behandelt werden, schon deshalb, weil die Wiener Zentralstellen stets geneigt waren, die Tätigkeit und die Gesinnung der Juden im Reiche verdächtig zu beurteilen. Der Polizeiminister Hager legte Albers Memorandum zwar dem Wiener hebräischen Zensor Herzfeld zur Begutachtung vor, er tat dies aber mit vorgefaßtem Mißtrauen, denn er glaubte nicht an seine Unparteilichkeit, da gegen Herzfeld, der selbst Jude war, überdies soeben eine Untersuchung schwebte. Hager sandte daher das Pester Aviso auch dem Prager Zensor Fischer zur Äußerung, im Hinblick auf seine gründliche Sachkenntnis und rückhaltlose Unvoreingenommenheit, wie schmeichelhaft hinzugefügt war. Fischer begrüßte diese Aufforderung mit Freuden als willkommene Gelegenheit, um seine grundsätzliche Meinung in dieser alten, aber stets aktuellen Streitfrage kundzutun. Schon nach sechs Wochen unterbreitete er dem Statthaltereipräsidium ein ausführliches Gutachten, das scharf und ironisch gegen den Pester Zensor zugespitzt war und dessen Mangel an Weitblick in dem Fache, das ihm am vertrautesten sein sollte, an den Pranger stellte. Fischers Analyse der Alberschen Anschuldigungen wurde zu einer entschiedenen Zurückweisung derselben und zu einer Apologie der böhmischen Judenschaft gegen die stets von neuem erhobenen Beschuldigungen. Fischer hatte sich bei der Ausarbeitung größtenteils der Argumente bedienen können, die er bereits in seiner handschriftlichen Talmudstudie vom Jahre 1802 zusammengetragen hatte; er wies die Beschwerden Albers entschieden zurück und nahm sich der böhmischen Judenschaft warm an gegen die stets von neuem vorgebrachten Anschuldigungen .5 In der Antwort auf die Behauptung des Pester Zensors betreffs der angeblichen Schandausdrücke für die Christen in den hebräischen Religionsbüchern bemerkte Fischer gleich von vornherein, Alber bringe da nichts Neues vor, sondern wärme schon vielmals widerlegte Dinge auf, und schloß zum Beweise eine knappe historische Übersicht dieser Frage an. Schon die alten Judenbücherzensoren aus dem Jesuitenorden, als Preisler, Haselbauer, Zelenf, Lau und Tirsch, hatten die Juden stark im Verdacht, die genannten Bezeichnungen seien auf die Christen 306

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