Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 250)
- Language
- German
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ten Abgaben allzu sehr zu begünstigen." Andererseits erscheint ihm die Klassenteilung Lazanskys mit den gegen früher niedrigen Ansätzen auf den untersten Stufen angemessen durch die Rücksicht auf den ärmsten Juden, „der oft kaum so viel des Tages verdient, um sich mit einem Trünke Bier zu laben und den Hunger seiner Familie mit trockenem Brot stillen zu können". Doch erhebt er auch mancherlei Bedenken. Ist die Besteuerung nicht zu hoch? „Was nützen alle Anstalten, den Charakter der jüdischen Nation zu verbessern, ihre Sittlichkeit zu erheben, wenn man sie unter dem Drucke unerschwinglicher Abgaben schmachten läßt?" Ferner erscheint es ihm unbillig, alle mit dem gleichen Perzentsatz zu belegen. Die individuelle Steuerquote sollte mit dem Vermögen in einem gewissen Perzentsatz wachsen. Dann deutet er selbst die Widerlegungsgründe an, die Graf Lazansky gegen seine Bedenken vorbringen könnte, und schlägt schließlich vor, alle Einwände, die er erhoben und die etwa die folgenden Votanten zu machen hätten, Lazansky sub anonymo mit dem Auftrage zuzustellen, sich ehestens darüber zu äußern. Kollowrat hält wohl auch die böhmische Judenschaft für zu stark belastet, aber die Zeitverhältnisse gestatteten keinen Nachlaß. Möglich sei ja die Einbringung der 216.000 fl. immerhin, weil vormals die Landjuden die auf sie entfallenden 108.000 fl. stets ordentlich entrichtet hätten. Doch hält er Sauraus Entwurf für billiger als die 2%% Lazanskys. Im übrigen stimmt er dem Schlußantrage Egers zu. Nach dem Eintreffen der Antwort solle unter Beiziehung Sauraus —der war mittlerweile Finanzminister geworden — eine „staatsrätliche Zusammentretung", also eine Ministerkonferenz zu mündlicher Besprechung, stattfinden. Diesen Ratschlägen gemäß erging an den Grafen Lazansky der kaiserliche Auftrag, unter Rücksicht auch auf die Vorträge vom 6. April 1793 und 4. April 1795 seine Meinung über die das jüdische Steuersystem in Böhmen betreffenden anonymischen Bemerken vorzulegen. Die entscheidenden Beratungen. Damit traten die Beratungen über die Steuerreform in die entscheidende Phase, wenn auch noch immer zum Teil durch äußere Umstände verursachte Verzögerungen die Vollendung des Werkes hinausschoben . Am 26. Oktober schon beantwortete Lazansky die Einwendungen des Anonymus und seine Note wurde vom 4. November ab im Staatsrate behandelt. Der Kaiser traf keine Entscheidung, sondern forderte, 247