Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 219)
- Language
- German
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Lehrpersönlichkeit die Grundfehler seiner ganzen Anlage zu überwinden vermag. Im Gegenteil, er ist fest überzeugt: Der Sabbatnachmittag, der Jugend meistens lästig, weil sie nichts handeln und verrichten kann, wird durch den Vortrag der Sittenlehre wirklich geheiligt und lehrreich zugebracht werden—! „Besonders wäre bei dem Heurathen der Juden Rücksicht auf diese Vorlesungen zu nehmen, und die Heurath nur denen zu gestatten, welche den Vorlesungen wenigstens ein ganzes Jahr beigewohnt haben, worüber ein Zeugnis von dem jüdischen Ortsnormallehrer beizubringen ist." Diese letztere Anregung hat eine lange fühlbare Folge gehabt. Das späterhin von Homberg verfaßte „religiös moralische Lehrbuch für die Jugend ,Bne Zion' wurde nicht nur in allen jüdischen Schulen der deutschen Erbstaaten als ein gesetzliches Lehrbuch eingeführt, sondern dasselbe Dekret vom 14. Dezember 1810 verordnete zweitens, daß jeder Bräutigam und jede Braut der israelitischen Nation, da sie um die Heirathsbewilligung ansuchen, über den Inhalt dieses Lehrbuches von dem Kreisamt geprüft werden, und nur dann die Bewilligung zur Heirath erhalten, wenn sie die Prüfung wohl bestanden haben." Ein Analogon zur Katechismusprüfung katholischer Brautpaare. Für die körperliche Ertüchtigung der Juden erscheint ihm der persönliche Kriegsdienst, ihre Heranziehung zu andern körperlichen Dienstleistungen für die Allgemeinheit, die er ja auch aus anderen Gründen verficht, ebenso möglich, wie die Umschichtung ihres Erwerbslebens, ihr Eintritt in Ackerbau und Handwerk. Er fordert nicht die volle Emanzipation aller Juden, und nicht auf einmal, nicht plötzlich, denn er weiß, daß er damit gar keinen Erfolg hätte. Aber: „Wenn es Juden gibt, die schon aufgehört haben, für den Staat Juden zu seyn, sollte nicht der Staat endlich aufhören, sie als Juden zu behandeln? (!)" Hier wird das Wort Jude mit all den schlimmen Neben Vorstellungen verbunden gebraucht, die man auf der Gegenseite damit verknüpft. Welches sind aber die Kennzeichen eines wirklich moralisch guten und nützlichen Juden, und zweitens: „Ist nicht zu befürchten, daß das nämliche Individuum, so alle Merkmale eines guten und nützlichen Bürgers an sich trägt, gleichwohl nach erhaltenem Bürgerrecht wieder in seine vorige Lebensart zurückfallen und also die Gnade der Staatsverwaltung mißbrauchen und ihre Hoffnung täuschen möchte?" Die Erfordernisse, die der Jude erfüllen müßte, um zum Bürgerrechte zu gelangen, wären: „Ein solcher Jude müßte.. 1. keinen Bart tragen und sich überhaupt im Äußeren nicht von den Christen abzeichnen." Es ist nicht ganz so lächerlich, wie es scheint, wenn diese Forderung erhoben und sogar an 216