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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1935-01-01 · 7 (1935) · page 218

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
7 (1935)
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 218)
Language
German
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kann durch die weltlichen Behörden besorgt werden. Sie soll auch beitragen zur Vernichtung des jüdischen esprit de corps. Unter diesem Corpsgeist stellen sich die Gegner des Judentums nicht den wohltätigen, nützlichen, der Erhaltung des Ganzen förderlichen Gemeingeist vor, sondern den Sondergeist, der die wirklichen oder vermeintlichen Interessen einer Einzelgruppe denen der Gesamtheit gegenüberstellt und sie unbekümmert um deren Wohl vertritt; der das einzelne Glied in Schutz nimmt, ohne zu fragen, ob dieser Schutz im gebenen Falle berechtigt sei oder nicht. Nun soll ja nicht geleugnet werden, daß „die Gasse" etwas ähnliches kannte; aber diese Scheu, Streitigkeiten in ihrem Bereiche vor den fremden Richter zu tragen, so unter Umständen sogar eine Übeltat zu verhüllen, den Übeltäter zu decken, hat durchaus nicht etwa in der Billigung der Übeltat ihren Grund, ist durchaus nicht auf die jüdische Gemeinschaft beschränkt. Sie hat ihren Grund darin, daß jede besonders gefährdete kleine Gemeinschaft die Verallgemeinerung der wider den einzelnen erhobenen Anklage fürchtet, besorgt, daß dessen Tat ihr, der Gesamtheit, angelastet werde. Und zu solcher Besorgnis hatte die jüdische Gemeinschaft mehr Grund als jede andere. Das sind Erwägungen, die Homberg ganz ferne liegen. Er sieht nicht, daß diese sittlich verwerfliche, meist auch törichte Art von Gemeingefühl aus menschlich begreiflichen Gründen erst schwindet, wenn ihre Ursache: die gemeinsame Gefahr, beseitigt ist. Wenn also keine Gemeinde, keine Rabbiner — wer sorgt dann für die sittlich-religiöse Erziehung der Jugend, wer für ihre Weiterbildung? Natürlich wieder der Lehrer. Die Lehrer sollen die geistigen Führer der Judenschaft werden; sie sollen auch die Verwaltungsgeschäfte besorgen; der Lehrer soll alle Sabbate aus dem für die Normalschule vorgeschlagenen Lesebuche Vorlesungen halten und die enthaltenen Gegenstände deutlich erklären, solche entwickeln, bereichern und durch treffende Beispiele so anschaulich, eindringlich und fruchtbar machen, als es ihm nur immer möglich wäre. Der Lehrer habe diese Vorlesungen jahraus, jahrein sabbattäglich fortzusetzen; das Buch, wenn er damit zu Ende ist, wieder anzufangen; und jeder Magistrat oder jedes Wirtschaftsamt müßte sorgfältig darauf sehen, daß die erwachsene, noch unverheiratete Jugend beiderlei Geschlechts bei diesen Vorlesungen erscheine, —und um Zucht und die... Stille zu erhalten einen Schuldiener!... entsenden (!) —Zu Prag, „wo die Juden sehr zahlreich... und hingegen auch mehrere Lehr- und Schulzimmer haben", hätte jeder Lehrer in seinem Klassenzimmer die nämlichen Vorlesungen zu halten. Da würden die Lehrer in gutem Vortrage wetteifern, um die meisten Zuhörer zu bekommen. — Homberg scheint gar nicht zu ahnen, welche Fülle von Langeweile, von bis zum Ekel gesteigertem Überdruß ein so geführter Zwangsunterricht erzeugen muß, wenn nicht eine ganz geniale 215

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