Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 216)
- Language
- German
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verändern, nie aber der Bemittelte. Aber die geschichtliche Erfahrung, die Vertreibung aus den verschiedensten Reichen haben die Juden unsicher, mißtrauisch gemacht und sie mußten daher immer auf den Fall, aus dem Lande ausgesetzt zu werden, bedacht seyn und wie sie ihr Vermögen am besten retten könnten." Die Nachwirkung dieser Furcht ist die Ursache, daß sich die wohltätigen Reformen noch nicht in der Umschichtung der Tätigkeitsgebiete der Juden auswirken. Aber er glaubt, auch innere Ursachen der Verzögerung zu erkennen. Die eine ist ihm das Rabbinat. Er ist von einem glühenden Hasse gegen die Rabbiner erfüllt. Es mögen die offenen und geheimen Widerstände, die gerade von dieser Seite seiner Schultätigkeit in Galizien entgegengesetzt wurden, mit dazu beigetragen haben, die Abneigung des Aufklärers gegen die Orthodoxie zu einem solchen Grade zu steigern. Er sieht die Ursache des Widerstandes nicht in — ob auch abzulehnenden — Anschauungen und Überzeugungen, sondern in „Herrschsucht und Selbstsucht. Sollen Juden zum Militärdienst verwendet werden oder soll eine andere nützliche Einrichtung getroffen werden, die ihrer eigensinnigen Herrschsucht nicht behaglich erscheint, alsobald bringen sie die Gemeinen durch heuchlerische Grimassen dahin, daß sie, so belastet mit Nahrungssorgen sie auch sind, Geld zusammenschießen, Deputierte abschicken, um durch künstliches Blendwerk jede heilsame Anstalt zu vereiteln." So verwirft er auch die doch durch das Gefühl gleicher Not und Bedrängnis bewirkte Anrufung und Betätigung der gegenseitigen Hilfsbereitschaft der großen Gemeinden der verschiedenen Länder. „Ja sogar die Talmudischen Müßiggänger Palästinas werden vom Schweiße europäischer Juden gemästet. Alle drei oder vier Jahre werden aus Jerusalem und den dortigen Gegenden Juden nach Europa gesendet, die ihre Mitbrüder bethören, allenthalben Sammlungen veranlassen, und mit ihrer Beute wieder in das gelobte Land ziehen.6' —! Nur um der Emolumente willen, die ihnen entgehen könnten, wehren sich die Rabbiner gegen die staatliche Ehegesetzgebung. Er möchte am liebsten das Rabbinat völlig beseitigt sehen. Und wenn dies nicht möglich ist, so sollte es wenigstens keiner Landgemeinde gestattet sein, einen Rabbiner zu halten, sondern es solle nur einen Rabbiner geben und den nur zulassungsweise in Prag. Der soll in jeder Weise eingeschränkt und beaufsichtigt werden, u. zw. von dem jüdischen Normallehrpersonal nebst den von diesem gewählten vernünftigen Gesetzeskundigen. Er versteigt sich zu dem abenteuerlichen Vorschlage, daß jede Predigt vorher von der Zensur gebilligt sein müsse und die jüdischen Normallehrer als Kontrolle bei der Predigt gegenwärtig sein sollten» damit der Rabbiner keine schädlichen Sätze mit einfließen lasse. Nie* mand solle verpflichtet sein, zu seiner Erhaltung beizutragen.83 213