Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 215)
- Language
- German
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halben Schranken in die Augen, in die er sich zurückzuziehen hat oder er empfindet den Druck jener Abgaben, die er mehr als andere Bürger seinesgleichen entrichten muß; und da er sich keines Verschuldens bewußt ist, das ihn zu jenen Schranken und zu diesem Drucke mit Recht verdammen könnte, so weis er nicht, aus welchem Gesichtspunkte er das entworfene Gemälde betrachten und beurtheilen soll. Die Antwort: diess mein Sohn, mußt du dir gefallen lassen, weil du ein Jude bist, diese Antwort verstehet er nicht, sie hat keinen Sinn für ihn, der sich fühlt, alles das zu seyn, was man nach den Gesetzen und Grundregeln einer wohleingerichteten bürgerlichen Gesellschaft seyn muß. Daß er überdies auch ein Jude sey, das hat nach den ihm beigebrachten Begriffen und der erhaltenen besseren Erziehung nicht den mindesten Einfluß auf Bürgerpflichten, und kann also nach den nämlichen Begriffen keinen Einfluß auf Bürgerrechte haben." Homberg verkennt durchaus nicht die Schäden und Schwächen der wirtschaftlichen Lage und wirtschaftlichen Tätigkeit der Juden. Seine von physiokratischen Lehren durchsetzte Vorstellung von der Gesamtwirtschaft eines Volkes ist die einer „Pyramide, wo man zum Gipfel der Prosperität durch die Stuffen von Nothdurft, Sicherheit, Eigenthum, Bequemlichkeit, Reichthum, und Üppigkeit wandelt. So wird man gewahr, daß der Bauernstand die unterste Stuffe, also den größten Umfang, der Handelsstand dagegen eine weit höhere Stuffe, aber eben deswegen einen sehr engen Kreis (!) einnehme, der sich zu jenem des Bauernstandes wie Luxus zum Naturbedürfnisse verhält. Alle, die bloß die Sicherheit oder Bequemlichkeit und Verschönerung der rohen Erzeugnisse zum Zwecke haben, die Handwerker, mechanischen Künstler usw. stehen in der Mitte und nehmen nach dem Maße ihrer Entbehrlichkeit oder Unentbehrlichkeit höhere oder niedere Stuffen auf dieser Pyramide ein. Je richtiger hierin das Verhältnis ist, je glücklicher ist die Nazion." Der Umstand, daß die jüdische Nation zur Handlung gedrängt wurde, alle Stufen übersprungen hat, hat zu einem Mißverhältnis geführt; es sind zu viele in den engen Raum hineingedrängt worden. Es wurde ein Druck auf die anderen Schichten erzeugt, der einen Gegendruck hervorrief, der seinerseits wieder sehr üble Wirkungen auf den Charakter der Juden ausübte. Er sieht darin eine Folge der Abkehrung von der Natur — man spürt Rousseau'sche Gedanken — die von den schädlichsten Folgen ist. Diese Hinwendung zum Handel hat aber ihre Ursache auch in der unsicheren Rechtslage der Juden, nicht bloß in den Gesetzen, die ihnen nur den Handel gestatten. Die Juden haben nicht etwa eine besondere Neigung „ihren Wohnort zu verändern, in fremde Länder zu ziehen, ihr Geld dorthin zu tragen. Der Betteljude wird seinen Aufenthalt leicht 212