Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 213)
- Language
- German
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Die Anregung Kranzbergs fiel auf fruchtbaren Boden. Im Staatsrate fand man die Angelegenheit noch nicht spruchreif und Egers Vorschlag, das böhmische Gubernium nochmals zu vernehmen, auch die Hofkommission in Gesetzgebungssachen zu befragen und Herz Homberg nach Wien zu berufen, fand die Zustimmung Zinzendorfs29 und Reischachs und damit auch die des Kaisers. Homberg sollte nach Wien kommen und ihm „die Skizze der Grundsätze zu dieser Reform, soweit es sich nämlich um Religionsübung, Unterricht, Gemeindeverfassung, politische und Rechtsbehörden und Pflichten gegen den Staat handle, mit allen den schon pro und contra angeführten Gründen um seine aufrichtige und freimüthige Äußerung zugefertigt" werden. Herz Homberg30 (1749—1841) war ein geborener Liebener. Als er sieben Jahre alt war, übersiedelten seine Eltern nach Prag. Er genoß dort und später an den Schulen zu Preßburg und Groß-Glogau den üblichen talmudischen Unterricht. Spät erst erlernte er die deutsche und andere Sprachen. Reisen führten ihn nach Breslau, Hamburg, Berlin. Das Studium des Rousseau'sehen „Emile" regte ihn dazu an, sich dem Erziehungsfache zu widmen. In Berlin, wo er sich dafür vorbereitete, kam er als Lehrer in das Haus Moses Mendelssohns und das wurde entscheidend für seine weitere Entwicklung. Er wurde Mendelssohns Schüler und Mitarbeiter. Nach dem Erlasse des Toleranzpatentes kehrte er in seine Heimat zurück und wurde 1784 Oberaufseher sämtlicher deutschen Judenschulen in Galizien. Verteidiger des Judentums gegen Angriffe von außen, zugleich bemüht, es im Sinne seines Meisters und gemäß den Absichten Josefs II. zu beeinflussen, erwarb er sich durch seine amtliche Tätigkeit die Wertschätzung der vorgesetzten Behörden. Dem erhaltenen Auftrage gemäß reiste er nach Wien und arbeitete dort eine sehr umfangreiche Denkschrift aus. Diese befriedigte seine Auftraggeber in hohem Grade. „Selber habe", wie das Direktorium urteilt, „eine Ausarbeitung geliefert, welche der Erwartung völlig zusagte und seinen Talenten und Einsichten in manchen Betracht Ehre machte... Nun bittet selber für diese Arbeit um eine Remunerazion". Das Direktorium beantragte die Verleihung einer goldenen Medaille von der größten gewöhnlichen Art und Franz II. genehmigte den Vorschlag. Die Denkschrift Hombergs. Die ersten Blätter der Schrift sind vom Feuer zerstört, das Wesentliche aber ist gut erhalten, so daß wir nicht auf die Auszüge angewiesen sind, die im Vortrage des Direktoriums vom 4. April 1795 gebracht werden.81 210