Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 210)
- Language
- German
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nehmen; aber „die vielfältigen Nahrungszweige, die ihnen izt schon offen stehen, nach bürgerlichen Verhältnissen ordnen, sie an diejenigen Vorschriften binden, welche sich alle Unterthanen des nämlichen Staates gefallen lassen, werde gewiß eher zur nützlichen Umstimmung als zur Abwürdigung der Juden dienen." Den Juden den Rohstoffhandel zu untersagen, habe selbst das Gubernium nicht beantragt; ein allgemeines Verbot sei aber eine Kommerzsache und gehöre nicht hierher. Die vom Gubernialrat Graf Kollowrat vorgeschlagene bloße Erweiterung der Nahrungszweige könne auf die Bildung der Juden nicht wirken, weil sie seit 1781 ohnehin so viele Möglichkeiten hätten. Der Vorschlag des Barons Eben, die armen Juden, die keine nützlichen Gewerbe trieben, außer Landes zu schaffen oder in einem Winkel an der türkischen Grenze anzusiedeln, sei unausführbar. Graf Rottenhan hatte eine genaue Klassifizierung und Abwägung der Gewerbe und Professionisten nach dem Verhältnis der Bevölkerung, so etwas wie eine zwangsweise Berufsgliederung vorgeschlagen. Das Direktorium findet eine solche Maßnahme wirtschaftlich schädlich und sittlich höchst gefährlich, weil sie aller „Ränke und Parteilichkeit" Raum biete. Wechselheiraten zwischen Juden und Christen — die man an sich für nützlich hält—„dürften bey den Grundsätzen der katholischen Religion nicht wohl angehen". Die gerichtliche Legalisierung aller Schuldscheine an Juden zur Verhinderung der Vor- und Zurückdatierung würde der ganzen jüdischen Nation den Stempel der Betrügerei aufdrücken. Qualitätenordnungen seien Angelegenheit aller Manufakturisten, gehörten also nicht in die Judenordnung. Die neue Leihbank diene nicht bloß zur Steuerung des Juden Wuchers, „sondern auch zu Hindanhaltung der niedrigsten Geldmäklerey, welche zur Schande gebildeter Menschen auch unter den Christen schnelle Fortschritte gemacht habe. Bei dem Übeln Charakter der Juden," wie ihn Graf Rottenhan schildert, „sei es dringend notwendig, die von Kaiser Josef begonnene Reform durch eine Gesamtordnung zu bewirken." b) Der Entwurf der Judenordnung. Den Entwurf der Judenordnung, wie ihn das Gubernium dem Direktorium vorlegte, und dessen Stellungnahme dazu im einzelnen darzustellen, könnte vielleicht für den Fachgelehrten von Wert sein, der sich mit der Geschichte der Gesetzgebung beschäftigt, dürfte aber die Aufmerksamkeit anderer Leser kaum zu fesseln vermögen. Es genügt daher, einige besonders wichtige Punkte herauszuheben. 207