Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 209)
- Language
- German
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schleunigen Untersuchung der Beschwerden der Prager Bürgerschaft einzusetzen, „wodurch die aufgeregten Gemüter der böhmischen Unterthanen zu sanfterer Empfindung der Hoffnung und des Vertrauens gestimmt würden." Das Direktorium bemerkt dazu (Note vom 1. Hornung 1794)23: 3. seien die Äußerungen über die Verbesserungen des Judensystems eingelangt und werde das Direktorium sich unausgesetzt mit der Bearbeitung derselben beschäftigen. Zieht man in Betracht, daß ähnliche Klagen und Beschwerden immer wieder auch aus den anderen Ländern einliefen, so wird man die Schwierigkeiten würdigen, die sich der Erfüllung auch wohlberechtigter Wünsche der Judenschaft entgegenstellten, ihre wirkliche Gleichstellung mit der übrigen Bevölkerung unmöglich erscheinen ließen, ganz abgesehen davon, daß die meisten Kommissionsmitglieder, durch ihre Erfahrungen und ihre Vorurteile bestimmt, einer solchen Forderung von vornherein ablehnend gegenüber standen. Die Verhandlungen im Staatsrate. Der Direktorial-Vortrag vom 6. April 1793. a) Allgemeiner Teil. Im Jänner 1793 hatte sich der Staatsrat mit dem böhmischen Judenpatente zu beschäftigen. Die Grundlage bildete ein Vortrag des Direktoriums,24 der einen Entwurf der neuen Judenordnung nebst ausführlicher Behandlung einzelner Punkte bietet. Dieser Entwurf beruht auf dem galizischen Judenpatente von 1789 und den Abänderungen, welche das böhmische Gubernium in seinem Berichte vom 31. Dezember 1789 vorgeschlagen hatte.25 Vorher aber findet das Direktorium es nötig, sich mit einigen vom Prager Gubernium ausführlich dargelegten Meinungen auseinanderzusetzen. Die Darlegung trägt einen vermittelnden Charakter. Verfolgung der Juden wegen ihrer religiösen Meinungen wird ebenso abgelehnt, wie man es vermeidet, die Gebrechen des größeren Haufens allen aufzubürden9 sie aller Tugenden unfähig zu erklären. Ebenso wird aber auch die Anschauung für unrichtig erklärt, daß die Fehler der Juden nur die Folge ihrer Bedrückung seien und ihre vollständige „Gleichstellung mit den übrigen Religionen goldene Zeiten herbeiführen werde". Der Ausschluß von allen redlichen Erwerbsmöglichkeiten würde ihre Bildung hindern und sie wieder nötigen, zu den kleinen Betrügereien ihre Zuflucht zu 206