Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 54)
- Language
- German
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zinsen beziehen (Nr. 43, 43b, 51, 51 a—d, 56, 56 a—c, 56 e—h, 68, 68 a—d). Der Inhalt dieser Briefe ist fast durchwegs derselbe: die Stadt kann die Zinsen nicht bezahlen. Es genügt darauf hinzuweisen, daß wir in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges stehen, in welchem Böhmen und Mähren schwer heimgesucht worden sind. Plünderungen und Brandschatzungen durch die Soldaten, eine der Stadt auferlegte Zahlung von einigen 1000 fl. an das „löbl. morzinische Regiment", Zahlung einer großen Geldsumme an den Kurfürsten von Sachsen, Eintreibung von rückständigen Steuern durch Exekutionen und zu alledem noch Mißernten durch drei aufeinander folgende Jahre (1636—38) — damit begründet die Stadt in den genannten Briefen ihr Unvermögen, die Zinsen zu bezahlen. Ein einziges Mal gelingt es ihr, 50 fl. aufzubringen (Nr. 56), sonst wird auf die unaufhörlichen Mahnungen des Gläubigers immer die gleiche Antwort erteilt, es sei bares Geld nicht zu erlangen. Daß die von der Stadt angeführten Gründe für ihre Zahlungsunfähigkeit zutreffend waren, wird auch Lazar Aron nicht bezweifelt haben. Daraus ist es wohl zu erklären, daß er sich einmal mit einer Ladung von Malz und Hopfen und später zweimal mit einem Wagen Komotauer Bieres begnügte, die ihm die Stadt an Stelle von Bargeld und als Abschlagszahlung zukommen ließ (Nr. 51, 51b, 56a, 56g, 56h). Das Verhältnis zwischen Schuldner und Gläubiger, zwischen der Stadt und Lazar Aron, war anfänglich gut und beinahe herzlich. Lazar Aron lud im Oktober 1637 Bürgermeister und Rat zur Hochzeit seiner Tochter ein und sie antworteten mit guten Wünschen für die Braut, der sie auch eine „kleine Verehrung" übersandten (Nr. 51 d). Aber als die Stadt ein Jahr um das andere die Zinsen schuldig blieb und Lazar Aron immer nur zu hören bekam, er möge Geduld haben, hörte das freundschaftliche Verhältnis auf. Lazar Aron sah, daß er auf dem gewöhnlichen Wege, nämlich durch Absenden von Mahnschreiben an die Stadt, nichts erreiche. Er wandte sich deshalb an Herzog Julius Heinrich von Sachsen-Lauenburg, den damaligen Inhaber der Herrschaft Schlacken wert, zu der Lichtenstadt, der Wohnort Lazar Arons, gehörte, mit der Bitte, für ihn bei der Stadt zu intervenieren. Und der Herzog richtete für seinen Hofjuden Lazar Aron ein entsprechendes Schreiben an die Stadt. Aber auch diese Aktion Arons war erfolglos. Der Rat der Stadt antwortete am 12. III. 1642 (Nr. 72) in einem äußerst höflich abgefaßten Schreiben, die Stadt sei leider nicht in der Lage, die schuldigen Zinsen zu bezahlen, und bitte um Geduld. Nun machte Lazar Aron einen neuerlichen Versuch, indem er sich mit einem „Klaglibell" an Kaiser Ferdinand III. wandte. Das Schriftstück nahm den üblichen Weg zu den Statthaltern in Prag und von ihnen zu den Kreishauptleuten, aber auch jetzt kam Lazar Aron nicht zum Ziel. In dem Antwortschreiben der Stadt wurde 51