Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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der Obrigkeiten beschränkt, mochte auch Prag als eine der ersten Obrigkeiten die Ablehnung dieser Zumutung der Regierung aussprechen. Prag konnte sich hiebei auf seine langjährige Verwaltung der Prager Judenschaft berufen. Unter die obrigkeitlichen Rechte, auf die es Anspruch erhob, zählte es im Geiste der Zeit auch die Heranziehung der unterstellten Judenschaft zur Hilfeleistung in den städtischen Steuerverpflichtungen. Ähnlicher Einspruch wurde bald auch aus anderen königlichen Städten laut, zumal bisher noch nicht die Entscheidung in der Streitfrage gefallen war, ob die Städte auch den ständischen Steuerleuten unterstehen, unter denen der städtische Stand keinen Vertreter hatte;118 namentlich der Vorstand der Stadt Kolin, die sich unter die königlichen Städte zählte, gestattete den eigenen Juden nicht, eine besondere Vermögensfassion zur Bemessung des Steueranteils einzubringen. Bei der Menge der strittigen oder ungeklärten Fragen, die zwischen Prag und der neuen Regierung schwebten, ließ der Herrscher die Rechtsqualität dieser Frage vorläufig ungelöst, trug aber der Kammer auf, den auf die Prager Juden entfallenden Steueranteil so bald als möglich einzuheben .114 Das Interesse am Ertrage der Berna ließ zeitweilig auch die neuen Anregungen in der Verwaltungsfrage der Prager Judengemeinde zurücktreten, die der Vorstand derselben im Mai der Kammer unterbreitet hatte. Auch sie waren offenbar von der Steuersituation nicht unbeeinflußt. Wenn die Prager Juden in schroffem Gegensatz zur bisherigen Rechtsentwicklung verlangten, daß die gesamte Machtbefugnis der Prager Gemeinde zugesprochen werde, so war dieser Schritt offenkundig nur in dem bisherigen erfolgreichen Widerstand der Stadt Prag gegen die vorgeschriebenen Steuern und die Art ihrer Verwaltung begründet. Der Widerstand Prags sollte offenbar nach der Auffassung der Prager Juden auch sie vor hohen Steuern schützen. An dem Standpunkt, daß die Juden als königliche Kammerknechte in Steuerfragen ihren Direktiven unmittelbar unterliegen, hielt die Regierung allgemein fest, und zwar nicht bloß aus Rechtsgründen, sondern auch aus Finanzrücksichten. Die Krönungssteuer zeitigte also einen Mißerfolg und brachte $en Finanzvoranschlag der Regierung bedenklich ins Wanken.115 Nach dem allgemeinen Kongreß der Ritterschaft war über die politischen Ursachen desselben kein Zweifel möglich und so sah sich die Böhmische Kammer veranlaßt, mit mehr Nachdruck Mittel bei Personen aufzusuchen, die der ständischen Opposition nicht angehörten. Mit Hilfe der Einnehmer der Krönungssteuer war die Kammer bemüht, anfangs Mai nachträglich in den Kreisen die genaue Zahl der Juden festzustellen, denen sie eine besondere Steuer vorschreiben und von denen sie diese ohne lange Umstände einheben könnte. Die im 17