Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Von einem Mitgliede der Judensiedlung in Budin ist in den Quellen nur gelegentlieh die Rede.83 Auch in Jungbunzlau hielt sich seit dem 15. Jahrhundert eine kleinere Judensiedlung; von dort wird zum Jahre 1529 ein wohlhabender jüdischer Handelsmann genannt, ein Untertan des Johann Spetle d. J. von Janowitz.84 Ebenso gab es in Jitschin einige Judenfamilien.85 Unweit von hier befand sich in Turnau eine stärkere jüdische Schichte, die über eine gewisse selbständige Verwaltungsorganisation verfügte.86 Eine der stärksten Judengemeinden befand sich jedoch in Bilin; im Jahre 1527 wurden dort 40 Familien angegeben. Die Obrigkeit, Georg von Lobkowitz, vereinigte hier zweifellos in planmäßiger Fürsorge eine große Zahl von Judenfamilien und hielt sie auf dieser Höhe.87 Unter den ostböhmischen Städten besaßen eine Judenniederlassung Nachod und Reichenau an der Knezna** zahlreichere Ansiedler, die auch Handwerk trieben, wohnten auch in Arnau, wo von Hausübertragungen nach Stadtrecht die Rede ist.89 In Neubidschow bestand eine Judensiedlung, stark an Zahl und in lebhaftem Verkehr mit den Glaubensgenossen der Umgebung.90 Eine kürzere Nachricht meldet auch von dem Geldgeschäft eines in Ronov ansässigen Juden. In Humpoletz bestand eine kleinere Niederlassung bereits zu Ende des 14. Jahrhundertes und erhielt sich hier auch weiterhin ,91 ältere und volkreiche Siedlungen gab es in Skutsch und in Hefman-Mestec, sowie in Pardubitz;93 Leitomyschl und Landskron zählten je einige Judenfamilien.94 Die Juden in Horitz, wo wenigstens drei Familien wohnten, widmeten sich der Handelstätigkeit;95 auch in Ledetsch wohnte zumindest ein ansässiger Jude, der den Schutz der Obrigkeit genoß.96 Hinsichtlich der örtlichen Verteilung siedelte also die Judenschaft in Böhmen keineswegs gleichmäßig dicht. Die dünnste und zahlenmäßig schwächste Besiedlung verzeichnete Südböhmen, eine stärkere Diaspora fand sich in Ost- und Westböhmen, auf die Mitte und den Norden des Königreiches entfielen die Niederlassungen mit der zahlenmäßig stärksten jüdischen Bevölkerung, die denn auch im wirtschaftlichen Leben eine sehr bedeutsame Rolle spielte. Diese beiden Gebiete Böhmens nahmen auch in den jüdischen Steuerfragen eine Vorrangstellung ein. In den vorangegangenen Abschnitten haben wir gesehen, daß zu Anfang des 16. Jahrhundertes die Judensiedlungen in Böhmen bedeutsame Wandlungen durchmachten, u. zw. in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung und in ihrer rechtlichen und politischen Beziehung zur Staatsgewalt und zu den Obrigkeiten. Ähnlichen Schwankungen waren auch die öffentlich-finanziellen Verpflichtungen der böhmischen Judenschaft unterworfen. Die von den Juden kurz vor dem Jahre 1500 übernommene Verpflichtung, nämlich jährlich an die königliche Kammer 500 Schock 11