Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 7 (1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Verhältnismäßig wenig Nachrichten haben wir über die Juden in Südböhmen. Hier rief zweifellos das schroffe Vorgehen gegen die Juden in Böhm. Budweis eine Massenabwanderung der Juden nach andern Kreisen hervor, namentlich nach Nordböhmen. In dem handelspolitisch bedeutsamen Prachatitz ist ein jüdischer Handelsmann im letzten Viertel des 15. Jahrhundertes erwiesen.64 In Strakonitz, am Sitze des Priorates des Johanniterritterordens, wohnten zu Anfang des 16. Jahrhundertes einige Judenfamilien und eines ihrer führenden Häupter beteiligte sich auf dem Geldmarkte.65 Auch in Wollin und in dem handelspolitisch hochbedeutsamen Neuhaus waren Juden angesiedelt .66 In Beneschau bestand die jüdische Bevölkerung wohl nur in wenigen Familien.67 In Westböhmen saßen Juden in dem untertänigen Städtchen Hostau, in Haid,6* in Teplitz und vielleicht auch auf anderen Gütern des Zdenko Lev von Rozmital;69 offenbar hatte auch Hofowitz einige jüdische Ansiedler.70 Einige Judenfamilien gab es in Theißing.71 Die Judengemeinde in Karlsbad wurde etwa zu Ende des 15. Jahrhundertes vertrieben. Die stärkste und anscheinend auch regsamste Judenniederlassung in Westböhmen bestand in Welwar. Die Welwarer Gemeinde, die wegen ihrer Lage offenbar einen lebhaften Verkehr mit Prag unterhielt, beherbergte unter ihrer Bevölkerung eine verhältnismäßig bedeutende Judenkolonie. Ihre Mitglieder betrieben Geschäfte mit Geld und Ware und beschränkten sich hiebei nicht allein auf die Stadt, sondern dehnten sie selbst bis Schlan72 und sicher sogar bis Prag aus. In Nordböhmen ist zu Beginn des 16. Jahrhundertes ein ansässiger Jude in Bdkov bezeugt; vielleicht gab es damals auch in Weißwasser und Münchengrätz Juden.78 In Teplitz war eine zahlreiche und wohlhabende Judenkolonie.74 Auch in dem kleinen Slaveün und Willomitz hielten sich offenbar einige ansässige jüdische Untertanen.75 In Libochowitz gab es seßhaftige jüdische Kolonisten, bei denen die Untertanen aus den umliegenden Dörfern ihren Geldbedarf deckten .76 Von Raudnitz hatte der Jude Lazar seinen Zunamen, er mochte daher wohl längere Zeit hier gewohnt haben.77 Auch in Auscha wohnten einige Judenfamilien.78 In Tum waren mindestens zwei Judenfamilien angesiedelt.79 Auch auf den Gütern des Oppel von Viztum auf Neu-Schönberg lebte eine größere Anzahl ansässiger Juden,80 namentlich in Radonitz. Ebenso waren in dem unweiten Klösterle a. E., in Maschau und in Eidlitz größere Judenniederlassungen.81 Unter den jüdischen Ansiedlern zu Komotau werden um die Wende des 15. und 16. Jahrhundertes zwei Geldverleiher genannt und für die Regsamkeit der Kolonie zeugt das energische Bestreben der Stadt nach Ausweisung der unternehmungslustigen jüdischen Handelsleute, die in der Stadt Handwerk und Handel bedrohten; im Jahre 1517 dürften die Juden aus der Stadt vertrieben worden sein.82 10