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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1935-01-01 · 7 (1935) · page 12

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
7 (1935)
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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IRI
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daß die Pilsner Judengemeinde volkreich und wirtschaftlich stark war und unter den ersten Judengemeinden rangierte,53 offenbar gleich hinter der Judengemeinde in der Prager Altstadt. Die Rakonitzer Judengemeinde war wohl schwächer an Zahl und Bedeutung, und zwar offenbar infolge der planmäßigen Beschränkung der Judensiedlungen nach dem Jahre 1512.54 Über eine Judenniederlassung in Schlau haben wir zwar keine ausführlicheren Berichte, doch steht fest, daß auch hier die Juden mit der Stadt und ihren Organen in Verkehr traten.55 Tabor besaß wohl keine stetige Judensiedlung, doch unterhielt es mit den benachbarten Judenorten einen lebhaften Verkehr, besonders auf den Jahrmärkten.56 Die Juden in Aussig a. E. standen in regen Geldgeschäften mit den Nachbarstädten und mit den Untertanen adeliger Obrigkeiten.57 In der Umgebung von Wodnian waren einige Judenfamilien auf den Gütern der Herren Divcicky angesiedelt.58 Die Saazer Judenniederlassung zählte unter ihren Mitgliedern einige Geldgeschäftsleute; für eine zahlreichere Bevölkerung und wirtschaftliche Tüchtigkeit zeugt der Versuch der Austreibung vom Jahre 1526. Die vorteilhafte Lage der Stadt Saaz im Kreise trug dazu bei, daß sich in der Stadt auch eine Menge Juden konzentrierten, die unter die Verwaltung der umliegenden Obrigkeiten gehörten.59 Über die Juden in den untertänigen Städten sind wir nicht einmal in dem bescheidenen Maße unterrichtet, wie über die Juden in den Freistädten. Der Grund liegt auf der Hand: Die jüdischen Landbewohner nährten sich größtenteils vom Kleinhandel und vom Handwerk und kamen nicht so häufig in Berührung mit den staatlichen Zentralbehörden wie ihre wohlhabenderen Stammesgenossen aus den Freistädten; die spärlichen Quellen der ehemaligen Herrschaftsarchive aber haben uns keine Nachrichten über die zahlenmäßige Stärke der jüdischen Schicht unter der Landbevölkerung aufbewahrt. In groben Zügen jedoch läßt sich den Angaben der bisherigen Literatur und den Editionen sowie archivalischen Quellen entnehmen, daß auch auf dem Lande, und zwar sowohl in den untertänigen Städten als auch auf den Dörfern zu Beginn des 16. Jahrhunderts in allen Kreisen Böhmens jüdische Bevölkerung vorhanden war. Hinsichtlich Mittelböhmens finden wir zahlreiche Namen von Koliner Juden unter den Geld Verleihern zu Beginn des 16. Jahrhundertes;60 auch sonst stellt die Koliner Niederlassung eine sehr bedeutsame und wirtschaftlich starke mittelböhmische Judensiedlung dar.61 Auch in dem nicht fernen Chlumetz gab es schon damals zumindest zwei Mitglieder der Judengemeinde, die sich mit Geldverleihen befaßten;62 offenbar besaß auch Podiebrad einige ansässige Juden.68 9

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