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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1934-01-01 · 6 (1934) · page 478

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
6 (1934)
Date
1934-01-01
Page
– (sequence 478)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644315--2882-2647228
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merhin erscheinen tausende Grabsteine in dieser bescheidenen, zurückhaltenden Form. Aber aus diesem Steinwald ragen einzelne Denkmäler heraus, jenen Männern und Frauen zugehörig, die auch im Leben ihre Gemeindegenossen überragt hatten, als Führer und geistige Größen. Diese Schichtung scheint sehr sorgsam erfolgt zu sein, denn selbst einer Persönlichkeit wie David Gans wurde nur eine niedrige Stele zugewiesen. Aber selbst in der Erstellung der großen Denkmäler zeigt sich eine bewundernswerte formale Zucht, eine bei aller Abweichung in den Einzelheiten der Dekoration einheitliche Gestaltung. Nicht die Form des antiken Sarkophages, sondern die Form des Hauses (als letzter Wohnstätte des Toten) mit dem typischen deutschen Steildach und den Steilgiebeln an den Schmalseiten. Dieses besondere Betonen von Grabsteinen geistiger Größen ist auch in den Friedhöfen des Ostens üblich geworden, zumeist in Anlehnung an Sarkophagmotive, vereinzelt aber auch und bewußt in Anlehnung an das Vorbild des Prager „Häusels". Dies sei an zwei Beispielen nachgewiesen, wobei anzunehmen ist, daß weitere Forschungen auf diesem Gebiet — sie befinden sich erst im Anfangsstadium — diese Behauptung noch belegen dürften. Wir sehen auf dem Friedhof an der Ä£moA16-Synagoge in Krakau das Grabmal des R. Isaac, der als Schöpfer der nach ihm benannten Synagoge17 sich der Auszeichnung durch einen überragenden Grabstein wohl als würdig erwies. Es ist die typische Prager Form, wenngleich ungemein verballhornt. Die derbe, unverstandene Ornamentik läßt hier auf einen jüdischen Steinmetzen schließen, dem die zünftige Schulung fehlt18. Der Kontrast zu den künstlerisch sehr beachtlichen Prager Vorbildern ist bedeutend. Auch links von diesem Grabmal erscheint eine Art Hausform als Denkmal für eine der vielen Geistesgrößen, die auf diesem ehrwürdigen Friedhof ihre letzte Ruhestätte fanden. Die Abdeckung der Giebel mit Blechplatten, die in Polen vielfach üblich ist, deutet auf minderwertiges Gestein, das man vor Verwitterung schützen mußte. Ebenso war die Verwendung dünner und gestückelter Steinplatten hier, in dem an gewachsenem Gestein armen Lande, eine durch Sparsamkeit diktierte Notwendigkeit19. Unter den zahlreichen, in ihrer mehr sarkophag-ähnlichen Form für prominente Gemeindemitglieder in Schlesien und Polen errichteten Denkmälern, sei hier nur eines angeführt, das der Prager Urform am nächsten kommt. Das Denkmal steht inmitten kleinerer Steine, die in ihrem reichen Dekor sehr beachtenswerte Beispiele jüdischer Sakralkunst bilden und die im Schrifttum bisher unbeachtet blieben. Es ist der Friedhof in (polnisch) Lissa (Leszno), einer für deutsche und jüdische Kultur bedeutenden Stadt nahe der schlesischen Grenze, in der ehemals preußischen Provinz 466

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