Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 477)
- Language
- German
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neunzehnten aber wurden Erweiterungen vorgenommen, aus denen sich der Urkern im Äußeren nur aus größerer Entfernung noch erkennen läßt. Die — man darf mit Recht sagen — banausische Rücksichtslosigkeit aber, mit der die Verbindung der Frauenräume mit der gotischen Halle vorgenommen wurde, findet kaum ihresgleichen15. Man betrachte die schrägen Schlitze, die den Blick zum Almemor lenken sollten. Vor allem aber den technischen Unverstand, an der Nordseite die Strebepfeiler, die doch dem Gewölbedruck zu widerstreben haben, zu schwächen, ja z. T. sogar in ihrer statischen Funktion auszuschalten! Es ist tief bedauerlich, daß der immerhin große Denkmalswert des Urbaues hierdurch empfindlich herabgesetzt wird. Die genaue Veröffentlichung des Grundrisses erfolgt hier zum ersten Male im deutschen Schrifttum nach Aufnahmezeichnungen, die der Krakauer Architekt Zygmunt Hendel anläßlich des letzten Umbaues der Synagoge anfertigte. Der Verfasser erhielt die Pläne durch Vermittlung des polnischen Konsulats in Breslau vom Archiv der Wojewodschaft Krakau, in dem sie die Inv. Nr. 467 und 468 tragen. Krautheimer, der ein Werk über mittelalterliche Synagogen 1927 verfaßt hat, widmet Krakau nur 27 Zeilen, deren Inhalt jedoch irreführend erscheint. K. spricht vom Verschwinden der „ursprünglich vorhandenen Strebepfeiler" (!), wobei angeblich auch die niedrigen Kelchkapitäle der Mittelstützen verändert worden sein sollen. Als Gründungszeit nennt Essenwein das dreizehnte Jahrhundert; nach einer Tradition wird 1364 genannt. Beide Zahlen erscheinen im Hinblick auf den baulichen Befund als unhaltbar und sind auch rein historisch kaum erklärlich. Prager Sarkophage als Vorbild für Polen. Deutsche Kunstgelehrte, die über Friedhofskultur und Grabmalkunst schrieben, erwähnen stets die alten jüdischen Gottesäcker als Vorbild. Und wirklich bieten alle diese Friedhöfe, wo immer sie vorhanden sind, im Osten wie im Westen Europas, und ob den aschkenasischen oder sephardischen Juden zugehörig, fast stets das gleiche Stimmungsbild: das Nivellement nach dem Tode, ausgedrückt durch Steine gleicher Abmessungen und Grundform, innerhalb dieser nur durch ornamentales Dekor von einander unterschieden. Kaum ein anderer Judenfriedhof zeigt aber dieses Schema deutlicher und bewußter als jener Prags. David Kaufmann spricht in der Einleitung zu seinem Werke über die Familien Prags und deren Epitaphien von 22.000 Inschriften, die Hock hier entzifferte. Ob diese Zahl mit jener der vorhandenen Grabsteine identisch ist, soll nicht untersucht werden. Im- 465